Digitale Agenda Die Nachrichten der Woche aus der digitalen Welt, jeden Freitag Nachmittag.

  • Digitale Agenda KW 37 | 2026

    Diese Woche

    Digitalminister stellt Personalausweis-App fürs Handy vor
    Die App „d-you“ soll ein digitaler Zwilling des Personalausweises für die kommende digitale Brieftasche der EU (EUDI Wallet) werden. Sie soll ab Januar bei rund 40 Anbietern wie Post, Banken, Kommunen und anderen Dienstleistern genutzt werden können. Bis dahin gibt es noch einige Sicherheitsprobleme zu lösen und verschiedene andere Hürden zu nehmen. 

    Cyberangriff auf Berliner Stadtverwaltung ist noch nicht ausgestanden
    Um ihrer Forderung von 2 Millionen Euro Lösegeld Nachdruck zu verleihen, haben die Hacker fast 6 Terabyte teils kritischer Daten ins Netz gestellt. Laut Berlins Digitalstaatssekretär seien aber nur Daten der ersten von vier Geheimhaltungsstufen gestohlen worden, darunter Daten mit Bezug zur kritischen Infrastruktur, aber keine Militärdaten.

    Kulturstaatsminister will Investitionspflicht für Streaming-Dienste
    Wolfram Weimer schlägt vor, dass Netflix, Amazon & Co. acht Prozent ihres jährlichen Nettoumsatzes in europäische audiovisuelle Werke investieren sollen, um den europäischen Kulturbetrieb zu stärken. Laut EU-Kommission erfüllt Weimers Vorschlag in seiner derzeitigen Form die Vorgaben aus Brüssel jedoch noch nicht. 

    Europäischer KI-Spitzenreiter ist jetzt 21 Milliarden Euro wert
    Das französische Unternehmen Mistral konnte sich eine neue Finanzierungsrunde von 3 Milliarden Euro sichern. Bewertung und Investitionssumme können sich zwar nicht mit Anthropic oder OpenAI messen, doch dafür verfolgt Mistral ein bodenständigeres Geschäftsmodell.

    Noch mehr warnende Insider-Stimmen über die Gefahren durch KI
    Die neueste Wortmeldung kommt vom jungen KI-Experten Jacob Coxon, der nach einem Gastspiel bei OpenAI nun auch Anthropic und die KI-Branche verlässt, weil er über den verantwortungslosen Umgang der großen KI-Firmen mit dieser Technologie entsetzt sei. Zugleich warnt Anthropic selbst über die Möglichkeit des Missbrauchs seiner Modelle für die Herstellung von Biowaffen und OpenAIs neuer Sicherheitsexperte ist um einen katastrophalen und unumkehrbaren Kontrollverlust besorgt. 

    Tech

    Microsoft will Altersprüfung in Windows 11 integrieren
    Künftig soll das Betriebssystem das Alter seiner Nutzer bestimmen und diese Informationen dann über APIs an Apps weiterleiten können. Microsoft arbeitet hierzu an APIs, die unter dem Begriff Digital Safety Age Signals zusammengefasst werden. 

    KI erzwingt eine Veränderung der Cybersecurity-Strategie
    Das KI-gestützte Auffinden von Schwachstellen verkürzt das Zeitfenster für Patching und Cyberangriffe mit KI-Agenten werden zur Normalität. Im Visier der Hacker stehen nun vor allem Industrieanlagen und Produktionsmaschinen.

    Apple kann jetzt auch Displays falten
    Und Sie können es auch, wenn Sie gerade 2.300 Euro für ein iPhone Duo übrig haben. Fast zeitgleich stellten auch Xiaomi und Huawei ihre Foldables vor. Im Gegensatz zu vielerorts geäußerten Befürchtungen stellte Apple allerdings keine „Spanner-Kopfhörer“ mit integrierten Kameras vor. 

    Digitale Arbeit

    Aktionismus behindert Veränderungsprozesse in Unternehmen
    Der aktuelle Veränderungsdruck in den Unternehmen führt zu immer neuen, parallel startenden Initiativen, die Mitarbeiter verwirren und sich am Ende gegenseitig im Weg stehen. Nötig sind vielmehr klare Prioritäten, eine realistische Reihenfolge, und ein Change-Management, das die Menschen von Beginn an einbindet.

    Comics, die Quantencomputer erklären
    Sie finden Quantencomputer interessant, können aber der Quantentheorie nicht ganz folgen? Die Computerwoche hat eine Cartoon-Serie mit guten Erklärungstexten gestartet, die Ihnen auf die Sprünge helfen könnte.

    Zu guter Letzt …

    ChatGPT hat ein großes Mathe-Problem gelöst, ganz alleine, ehrlich
    Das „Navier-Stokes-Existenz- und Glattheitsproblem“ sei gelöst, teilte OpenAI am Dienstag mit. Doch schon bald wurden Zweifel laut, denn ein Forscher der NYU hatte gerade einen eigenen Lösungsansatz für diese Aufgabe in Zusammenarbeit mit einem Anthropic-Forscher in Arbeit. Inzwischen äußerte auch ein Mathematikprofessor aus Dresden den Verdacht, dass unveröffentlichte Forschungsinhalte aus seinen ChatGPT-Unterhaltungen in das Training von OpenAI-Modellen eingeflossen seien. Ein Verdacht, den OpenAIs Forschungschef nicht ganz entkräften kann. 

  • Digitale Agenda KW 36 | 2026

    Diese Woche

    Übernahme von Hugging Face durch Nvidia ist offiziell
    Knapp 13 Milliarden Dollar legt Nvidia für die KI-Entwicklerplattform auf den Tisch – und die Anwenderunternehmen fragen sich, wie unabhängig und neutral Hugging Face bleiben wird, auch wenn Nvidia Letzteres beteuert. Viele Analysten empfehlen Fallback-Alternativen. 

    Deutschland bekommt ein KI-Sicherheitsinstitut
    Das deutsche AI Safety Institute (AISI Deutschland) soll risikobehaftete Systeme evaluieren und dafür sorgen, dass die Chancen und Gefahren fortschrittlicher KI-Modelle systematisch bewertet werden. Den betrieblichen Nukleus des Instituts bilden das BSI und die Bundesnetzagentur. Dass der Sitz des Instituts in Berlin ist, stößt allerdings nicht nur auf Gegenliebe. 

    Polizei überwacht schon seit Jahren Messenger-Kommunikation
    Das geht aus einem Dokument des Zollkriminalamts hervor, das Netzpolitik nun veröffentlicht hat. Zur Überwachung richten die Ermittler einen zweiten Zugang über einen Web-Client oder über den PC-Client des jeweiligen Messengers ein. Die Methode bewegt sich allerdings in einem rechtlichen Graubereich. 

    Palantir-Chef investiert in ukrainisches Drohnen-Start-up
    Alex Karp ist der erste große Investor in das Start-up des geschassten ukrainischen Verteidigungsministers Mykhailo Fedorov. Karp ist überzeugt, dass Fedorovs Firma es schaffen wird, „ihr Wissen und ihren Scharfsinn für Kriegskunst als Produkt in verbündete Länder“ zu bringen.

    Geheimdienstreform bedroht das Patientengeheimnis
    Laut Gesetzentwurf dürfen die Geheimdienste keine Informationen abgreifen, die zwischen den beobachteten Personen und ihren Geistlichen, Anwälten und Bundestagsabgeordneten geteilt werden, Ärzte werden aber nicht erwähnt. Der Justiziar der Bundesärztekammer sieht dadurch das Patientengeheimnis gefährdet.

    Tech

    OpenAI stellt GPT-6 Astra vor
    Astra schneidet in Benchmark-Tests besser ab als Anthropics zuletzt vorgestellten Modelle und ist das erste, das OpenAI selbst unter seinem Preparedness Framework für IT-Sicherheit als kritisch einstuft.
    Unterdessen hat die EU-Kommission ChatGPT (wie auch Reddit und Roblox) unter strengerer Beobachtung gestellt, weil die Plattform eine kritische Nutzerzahl erreicht hat und deshalb beim Jugendschutz oder der Bekämpfung rechtswidriger Inhalte das Gesetz über digitale Dienste (DSA) beachten muss.

    Wie Unternehmen KI-Risiken minimieren können
    Wie sollen Unternehmen mit Risiken umgehen, die sich aus dem Umgang ihrer Mitarbeiter mit KI ergeben? Einige interessante Gedanken und Best Practices dazu von einem hochrangigen Manager von Zoho. 

    Muss KI unbedingt so viele Ressourcen verbrauchen?
    Während der Widerstand gegen neue KI-Rechenzentren auch hierzulande wächst, wirft Fraunhofer in einem Blogbeitrag einen Blick auf Green AI und die oft vernachlässigten Umweltauswirkungen KI.

    Digitale Arbeit

    Worauf es beim Zusammenspiel Mensch-KI ankommt
    Strategischer KI-Einsatz erfordert eine neue Denkweise – nicht mehr um Stellenbeschreibungen herum, sondern mit den geforderten Fähigkeiten (Skills) im Mittelpunkt. Dieses Umdenken ist Voraussetzung dafür, dass KI gezielt dort eingesetzt wird, wo sie tatsächlich produktiv ist, statt überall nur präsent zu sein.

    Wie kann man das Fachwissen der künftigen Renter sichern?
    Das meiste Wissen in einem Unternehmen steckt immer noch in den Köpfen der Mitarbeiter, und die Babyboomer sind bereits in Rente oder werden es demnächst sein. Das Fraunhofer IAO hat eine Blogreihe über Methoden zur Rettung ihres Wissensschatzes gestartet.

    Zu guter Letzt …

    Für US-Bürger gibt es keinen Lake Ontario mehr
    Der See im Norden der USA, der eine natürliche Grenze zu Kanada bildet, heißt jetzt für Amerikaner auf Google Maps „Lake America“, so wie Donald Trump es beschloss. Google wäscht sich derweil die Hände in Unschuld, denn es übernehme ja nur den Namen, der im offiziellen geografischen Namensregister der USA steht. Nur gut, dass Googles KI noch weiß, wie der Fachbegriff für das Sichanbiedern bei allzu selbstherrlichen Politikern lautet.
    Übrigens: Apple ist auch nicht viel besser. 

  • Digitale Agenda KW 35 | 2026

    Diese Woche

    Vergleiche bewahren Meta und TikTok vor Verurteilung
    Im Verfahren mehrerer US-Bundesstaaten gegen Meta wegen möglicher Gefahren durch soziale Medien für Kinder haben sich die beiden Parteien auf eine Strafzahlung von 16,7 Milliarden Dollar und die Einführung von Maßnahmen wie Zeitlimits und nächtlichen Zugangssperren geeinigt. TikTok und das US-Justizministerium einigten sich im Streit um ähnliche Vorwürfe auf eine Strafzahlung von 400 Millionen Dollar. 

    Berlin startet Projekt mit Verhaltensscannern
    30 Überwachungskameras, die mit einem KI-System verbunden sind, sollen über eine Verhaltensanalyse der Personen auf den Bildern für mehr Sicherheit am Kottbusser Tor sorgen. Weitere Plätze sollen folgen. Berlin ist die vierte Stadt nach Mannheim, Hamburg und Bremen, die Verhaltensscanner einsetzt, trotz des Vorwurfs des Verfassungsbruchs. In Bremen wurde das System einem Bericht zufolge nur angeschafft, weil der Bund 80 Prozent der Projektkosten übernahm. 

    KI-Branche dreht weiter am Milliardenrad
    Um den Aktienpreis bei seinem anstehenden Börsengang nach oben zu pushen, will Anthropic den für das Unternehmen verfügbaren Markt angeblich auf 30 Billionen Dollar beziffern. Zum Vergleich: das aktuelle Volumen des weltweiten IT-Markts liegt bei 14,4 Billionen Dollar. Möglicherweise ist der Grund für Anthropics Zuversicht die Aussicht auf staatliche Aufträge, denn sein Ausschluss aus dem US-Verteidigungsministerium hat ein Gericht gerade als rechtswidrig beurteilt. 

    Nvidia erhöht Server-Preise und will Hugging Face kaufen
    Medienberichten zufolge liegt die Kaufsumme für die unabhängige Plattform, über die derzeit rund 3.000 KI-Modelle heruntergeladen werden können, bei 13 Milliarden Dollar. Unterdessen sollen die Preise für Server demnächst um mehr als 15 Prozent steigen, angeblich wegen höherer Speicherpreise. 

    Wo Ihre Gesichtsscans für LinkedIn, OpenAI & Co. tatsächlich landen
    Die Verifizierung Ihrer Identität für populäre Internet-Plattformen und Handelsplätze wie Etsy wird in Wirklichkeit von einem Dienstleister namens Persona, in dem auch Palantir-Gründer Peter Thiel investiert hat. Personas Handhabung der gespeicherten Daten wirft einige Fragen auf.
    Beim neuen Datenaustauschabkommen zwischen EU und den USA sollen hingegen nach aktuellem Stand der Verhandlungen keine Gesichtsbilder an die USA übermittelt werden. 

    Tech

    Angriff von OpenAI auf Hugging Face hätte verhindert werden können
    Im Abschlussbericht des Vorfalls wird ersichtlich, dass die ersten Warnsignale im Mai von den OpenAI-Entwicklern ignoriert wurden. Stattdessen wurden einige Eigenschaften, die später zum Einbruch bei Hugging Face führten, im Training verstärkt. Eine Analyse dieses und ähnlicher Fälle offenbart, wie viel Unternehmen in Sachen KI-Sicherheit noch zu lernen haben.  

    Bill Gates fordert globale Behörde zur KI-Regulierung
    In einem neuen Blogbeitrag warnt der Microsoft-Gründer vor dem Gefahrenpotenzial für die Gesellschaft durch KI und fordert eine neue internationale Organisation zur KI-Regulierung, ähnlich den Abkommen zu Atomkontrollen oder zum Schutz der Ozonschicht. Hierzu will er demnächst auch mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping sprechen. 

    Robotaxis sollen auch Deutschland erobern
    München soll voraussichtlich ab Ende 2027 die erste Stadt in Deutschland sein, in der künftig Taxis ohne menschliches Personal fahren können. Die Google-Schwesterfirma Waymo will in den nächsten Wochen die ersten bemannten Fahrzeuge auf die Straße schicken, um die Algorithmen auf die Münchner Verkehrsverhältnisse zu trainieren. 

    Digitale Arbeit

    So lassen sich DSGVO-konforme KI-Workflows in der Praxis umsetzen
    Für Unternehmen sind Datenschutzfragen sind laut Bitkom das größte Hindernis bei der Implementierung von KI-Anwendungen. Doch das ist ein lösbares Problem, wie ein Experte erklärt. 

    Gamification ist längst im Arbeitsalltag angekommen
    Unternehmen nutzten spielerische Elemente etwa bei der Einarbeitung neuer Kollegen, für Schulungen oder zur Mitarbeiterbeteiligung. Doch Gamification wird in mehr Bereichen der Wirtschaft angewendet, als uns bewusst ist.

    Zu guter Letzt …

    Humanoider Roboter rennt schneller als schnellster Mensch
    Bei den World Humanoid Robot Games in China hat ein Roboter den Weltrekord von Usain Bolt über 100 Meter unterboten. Schön für den Hersteller, aber auf die zündende Idee für ein Produkt für den Massenmarkt wartet die Welt immer noch.