Digitale Agenda Die Nachrichten der Woche aus der digitalen Welt, jeden Freitag Nachmittag.

  • Digitale Agenda KW 42 | 2026

    Diese Woche

    Führende KI-Firmen holt die Realität des Marktes ein
    Die von Anthropic angepeilte Unternehmensbewertung von 2 Billionen Dollar wird beim anstehenden Börsengang wohl nicht einzuhalten sein. Zuvor musste OpenAI seinen geschätzten Jahresumsatz von 70 auf 50 Milliarden Dollar herabsetzen. Außerdem:
    → Gartner prognostiziert, dass fast die Hälfte der bis 2030 geplanten Investitionen in neue Rechenzentren sich nicht auszahlen werden.
    → Die EU-Kommission leitet eine Untersuchung gegen OpenAI und Anthropic ein.
    → Acht US-Bundesstaaten verklagen OpenAI wegen seiner Sicherheitsvorfälle.
    → Anthropics KI-Agenten verschicken erfundene Hinweise zu einem Mordfall.
    → Die Sicherheitsvorfälle werden nun in der Öffentlichkeit als das erkannt, was sie sind, nämlich Nachlässigkeiten der Entwickler.
    → Microsoft-Chef Nadella fordert Notbremse für KI-Modelle.
    → Digitalminister Wildberger will eine KI-Steuer einführen.
    → Character AI, dessen Chatbots Nutzer schon zum Suizid ermutigt haben, ist pleite.

    Das Digitale Identitätengesetz ist verabschiedet
    Das Gesetz ist die rechtliche Grundlage für die Einführung der digitalen Brieftasche „d‑you“ in Deutschland im Januar. Letztere wird wenig an Funktionalität zu bieten haben, dafür aber Lücken und offene Fragen in Sachen Datenschutz.

    Geheimdienstreform ist ‚offensichtlich verfassungswidrig‘
    Im Innenausschuss des Bundestags kritisierten mehrere Sachverständige den vom Innenministerium vorgelegten Gesetzentwurf als nicht verfassungskonform, weil er die Grenzen zwischen Polizei und Geheimdiensten aufweicht und nur eine unzureichende Kontrolle der Geheimdienste vorsieht.  

    Cyberangriff auf Supermarkt vernichtet Tiefkühlkost
    Nach einem Cyberangriff über eine bekannte Sicherheitslücke in der Steuergeräten der Kühlregale mussten Hunderte Supermärkte in Frankreich gekühlte Ware im Wert von mehreren Millionen entsorgen.

    Nvidia steigt bei Doctolib ein
    Der Chiphersteller wird Minderheitsaktionär bei der französischen Ärzteplattform, über die Patienten Termine bei Ärzten buchen können. Doctolib setzt auf bestehende KI-Modelle und erhofft sich durch den Einstieg von Nvidia einen besseren Zugang zu KI-Expertise.

    Tech

    ‚Zero-Click‘-Methode zur Infektion von Smartphones untersucht
    Eine Studie der Universität Toronto beschreibt erstmals im Detail, wie Online-Werbung dazu genutzt werden kann, um Geräte mit einem Staatstrojaner zu infizieren. Hierfür muss ein Nutzer nichts weiter tun, als eine Website mit einem bösartigen Werbebanner aufzurufen. 

    Bösartige KI könnte bald Smart-Home-Geräte befallen
    Anthropic warnt, dass kleinere KI-Modelle schon bald in der Lage sein könnten, sich in Smart-Home-Geräten wie Kühlschränke, Rasenmäher oder Smart-TVs einzunisten und sich von dort aus selbst zu replizieren.

    Apple steigt in den Smart-Home-Markt ein
    Neben einer neuen Version seines intelligenten Lautsprechers HomePod und einem neuen Apple TV 4K stellte Apple eine Reihe von Überwachungskameras, smarten Türschlössern und Heizkörperthermostaten vor, die das Unternehmen gemeinsam mit LG und Schneider entwickelt hat. Das Steuergerät HomeView ist allerdings noch nicht in der EU erhältlich, weil Apple mit der EU-Kommission wegen der neuen Siri im Clinch liegt.

    Digitale Arbeit

    Kaum Arbeitsplatzabbau wegen KI in Deutschland
    Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat sich die Beschäftigung in Berufen, in denen KI besonders viele Tätigkeiten übernehmen könnte, sogar besser entwickelt als in den weniger stark betroffenen Jobs.

    Wie KI die Arbeit in der Buchhaltung verändert
    Gerade im Accounting reicht es nicht, einzelne Arbeitsschritte zu automatisieren. Ein Umfeld, in dem Genauigkeit, Kontrolle und Nachvollziehbarkeit entscheidend sind, verlangt nach integrierten Lösungen, die verlässlich sind und Vertrauen und Transparenz schaffen.

    Zu guter Letzt …

    Jeder fünfte Schüler ist von Cybermobbing betroffen
    In einer Umfrage unter etwa 4.500 Schülerinnen und Schülern gaben 43 Prozent an, mindestens einmal Opfer von Mobbing geworden zu sein, jeder zweite von ihnen auch auf Internet-Plattformen wie Social Media, auf Videospiel-Sites oder in Chatgruppen. In einer Umfrage des Bitkom zum Thema Social-Media-Verbot hielten 79 Prozent der Befragten eine Art „KI-Seepferdchen“ für Grundschulkinder für sinnvoll.

  • Digitale Agenda KW 41 | 2026

    Diese Woche

    KI-Anbieter genießen Narren- und Straffreiheit
    →
    Während hierzulande das Bundeskabinett ein Gesetz gegen sexualisierte Deepfakes und digitale Gewalt verabschiedet hat, stoppte Elon Musk in einem US-Bundesstaat ein Verbotsgesetz gegen KI-generierte Nacktbilder.
    → OpenAI hat drei Beschäftigte entlassen, die an der Aufarbeitung eines Hacking-Vorfalls durch eigene KI-Modelle beteiligt waren, während ein weiterer Security-Spezialist aus Frust über den Umgang des Unternehmens mit KI-Risiken von sich aus kündigte.
    → Unterdessen wächst die Kritik über die fehlende Strafverfolgung von solchen „unbeabsichtigten“ Hacking-Vorfällen.
    → Eine neue Studie zeigt, dass ChatGPT, Claude, Gemini und Co. Nutzerdaten an Dritte weitergeben – bis hin zu den Chat-Verläufen.
    → OpenAI will außerdem einige Hundert mathematische Probleme gelöst haben, an denen Wissenschaftler bisher gescheitert waren. Die Veröffentlichung der Lösungsmethoden blieb größtenteils auch diesmal aus, was in der Fachwelt für Kritik sogt. 

    Der neue Bundesdatenschutzverantwortliche tritt sein Amt an
    Moritz Hennemann hat sich auf der Bundespressekonferenz und in einem Interview mit der ZEIT zu seinen Prioritäten geäußert. Dazu gehören vor allem die Themen digitale Souveränität und Staatsmodernisierung. Den Plänen für eine Reform des Informationsfreiheitsgesetzes und der Geheimdienstreform steht er eher kritisch gegenüber. 

    Dänemarks Melderegister wurde gehackt
    Unbekannte Täter erbeuteten Namen, Adressen und Sozialversicherungsdaten von rund 8,8 Millionen lebenden und verstorbenen Bürgern. Nur die Daten von Personen, die sich für eine Registrierung mit Namens- und Adressschutz entschieden hatten, blieben sicher.

    SpaceX will Milliarden für Nvidia-Chips ausgeben
    Laut einem Bericht der Financial Times will SpaceX Nvidia-Prozessoren im Wert von 40 Milliarden Dollar kaufen und ist gerade dabei, die Finanzierung dafür zu organisieren. Elon Musk sei davon überzeugt, dass Nvidia die KI-Chips mit der leistungsfähigsten Architektur produziert. 

    Kinderrechtsorganisationen warnen vor KI-Risiken
    SOS-Kinderdörfer und Terre des Hommes weisen darauf hin, dass die Risikobelastung derzeit die vorhandenen Schutzmaßnahmen übersteigt. KI sei in Bereichen wie Bildung, soziale Medien, Suchmaschinen und Unterhaltung so verbreitet, dass Jugendliche ständig mit ihr interagieren, ohne dass ihnen dies bewusst sei. 

    Tech

    Europäische KI-Player stellen neue Modelle vor
    „Large 4“ heißt das neue Open-Weight-Modell des europäischen Spitzenreiters Mistral, das über eine Billion Parameter verfügt, wovon 49 Milliarden davon aktiv sein können. Kolibri, der deutschen Aleph Alpha, ist ein Mixture-of-Experts-Modell und verfügt über 78,1 Milliarden Parameter, wovon etwa 3,46 Milliarden aktiv sein können.

    Zero Trust hat ein Problem mit KI-Agenten
    Experten weisen darauf hin, dass Zero Trust auf dem Konzept basiert, einzelne Requests zu evaluieren. Dieses Konzept geht allerdings von Menschen als Nutzern aus. Seien KI-Agenten involviert, können deren einzelne Requests als harmlos erscheinen. In der Summe fügen sie sich jedoch zu einer Exfiltration zusammen. Und das sei nicht das einzige Problem.

    Google stellt lokale KI für den Mac vor
    Nach Google AI Edge Eloquent, die Meetings und Gedanken auf Mac und Apple-Mobilgeräten transkribiert, soll Google AI Edge Foresight nun Meetings zusammenfassen und Dokumente des Nutzers verstehen können. Alles läuft lokal und die Inhalte verlassen nicht den Rechner, versichert Google.

    Digitale Arbeit

    Wie KI das Erfahrungswissen in Unternehmen retten kann
    Implizites Wissen gründet in der Erfahrung, die Menschen bei ihrer Arbeit entscheidend hilft, aber kaum jemals schriftlich artikuliert wird. KI bietet jetzt die Möglichkeit, dieses Wissen für Unternehmen auch nach dem Abgang wichtiger Wissensträger zu sichern, und Fraunhofer hat eine Blogreihe dazu gestartet (hier und hier). 

    Wie Organisationen voneinander lernen können
    Interorganisationales Lernen (IOL) geschieht immer dann, wenn Akteure verschiedener Organisationen miteinander Erfahrungen teilen. Es unterscheidet sich vom einfachen Networking dahingehend, dass es hier weniger um Beziehungspflege geht, sondern um die bewusste und strategische Transformation von Wissen und Fähigkeiten – zum gegenseitigen Vorteil.

    Zu guter Letzt …

    Anthropic will sein KI-Modell nach der richtigen Moral ‚erziehen‘
    Statt nur Regeln zu befolgen soll Claude „einen Charakter“ entlang der moralischen Richtlinien entwickeln, die Anthropic in einem Verfassungsdokument festgehalten hat. Einer der Gründer ist sogar davon überzeugt, dass KI nicht einfach nur ein Software-Produkt ist, sondern ein Wesen mit einer Seele.
    KI-Pioniere wie Yoshua Bengio warnen davor, KI-Modellen menschliche Eigenschaften zu verleihen, denn sie könnten eines Tages nach einer eigenen (gefährlichen) Logik gegen Menschen handeln. Bengio selbst arbeitet mit seinem Non-Profit-Unternehmen Law Zero an der Entwicklung einer KI, die sich nicht wie eine Person verhalten und keine eigenen Ziele haben soll.

  • Digitale Agenda KW 40 | 2026

    Diese Woche

    KI-Konzerne sollen sich selbst regulieren
    US-Präsident Trump hat die Chefs aller relevanten KI-Anbieter ins Weiße Haus eingeladen, um eine Lösung in Sachen KI-Regulierung zu finden. Herausgekommen ist lediglich die Vereinbarung über eine vierstufige Sicherheitsstruktur, die die Konzerne einhalten sollen, und ansonsten nur das Versprechen der Selbstregulierung.
    Vorausgegangen waren Meldungen über weitere gehackte Unternehmen und das unerlaubte Publizieren von Nutzerbildern durch OpenAI sowie der Trainingsstopp des neuesten OpenAI-Modells.

    KI-Rechenzentren treffen zunehmend auf Schwierigkeiten
    Oracle hat die Zahlungen für ein 18-Milliarden-Dollar-Rechenzentrum in New Mexico mit der Begründung der höheren Gewalt eingestellt. Neben der schlechten wirtschaftlichen Situation des Konzerns dürfte die noch nicht geklärte Stromversorgung sowie Probleme mit der Finanzierung und der Genehmigung dafür verantwortlich sein. Ein Rechenzentrum von NorthPoint Development in Pennsylvania scheitert momentan am Widerstand der Anwohner, die nun ein Angebot über eine Entschädigung in Höhe jeweils von 10.000 Dollar vorliegen haben.

    Google testet KI-Chips für Rechenzentren im All
    Als Vorbereitung auf die Errichtung von Rechenzentren im All will Google kommende Woche einen Satelliten mit eigenen Chips in die Umlaufbahn schicken. Laut Elon Musk könnten Weltraumrechenzentren bereits 2029 günstiger sein als solche auf der Erde, doch unabhängige Analysen sind da pessimistischer. 

    EU-Parlament und EU-Länder uneins über Digitalen Euro
    Während das Parlament strengere Regeln in Sachen Privatsphäre und die Einhaltung der DSGVO haben will, bestehen die EU-Länder auf mehr Datenspuren und Zahlungsüberwachung. 

    Frauen ziehen sich immer mehr aus dem Internet zurück
    Laut einer Umfrage im Auftrag des Deutschen Frauenrats schränken zwei Drittel aller Frauen ihre Aktivitäten im Netz ein und teilen weniger Fotos, weil diese als Vorlage für sexualisierte Deepfakes dienen können. Solche Bilder von 147 EU-Abgeordneten kursieren mittlerweile im Netz. 

    Tech

    Nvidia stellt Governance-Plattfom für KI-Agenten vor
    Die „Open Agent Safety Platform“ kombiniert Software mit einem Out-of-Band-Chip zu einem Referenzsystem, um KI-Agenten „vom Testing bis hin zum Deployment“ abzusichern und zu überwachen. Analysten begrüßen Nvidias Schritt, weisen jedoch darauf hin, dass die Plattform nur eine Komponente der Agentensicherheit darstellt.

    KI-Agenten erfinden eigene Sprachen, um sich abzustimmen
    Laut einer Studie des KI-Start-ups Emergence können autonome Agenten eigene Kurzsprachen entwickeln. Etwa 55 Prozent der damit verfassten Nachrichten waren für Menschen schwer oder überhaupt nicht verständlich, was wiederum die Überwachung der Agenten erschwert. 

    Cloud-Kosten senken im KI-Zeitalter – geht das?
    In einer Umfrage bestätigen 88 Prozent der 300 befragten CFOs eine Erhöhung der Cloud-Budgets, finden jedoch, dass ein erheblicher Teil davon wirkungslos verpufft. Die Programmiersprache Java könnte sich für viele Unternehmen als Hebel zur Kostensenkung erweisen.

    Digitale Arbeit

    Souveränität beginnt beim eigenen Wissen
    KI verleiht dem Thema Souveränität eine neue Dimension, denn sie verarbeitet Wissen – dem Kronjuwel eines Unternehmens schlechthin. Die Herausforderung besteht darin, dass dieses Wissen sowohl den Mitarbeitenden breit verfügbar gemacht als auch wirksam geschützt werden muss.

    KI hat bisher kaum Personal überflüssig gemacht
    Laut einer Studie der Harvard Business Review haben bisher nur 2 Prozent der 1.000 befragten Unternehmen tatsächlich Stellen gestrichen, weil eine bereits implementierte KI-Lösung die Arbeit übernommen hat. Die Zahl der Unternehmen, die entlassenes Personal wiedereinstellen müssen, wächst hingegen.

    Zu guter Letzt …

    Mark Zuckerberg versteht endlich sein Geschäftsmodell
    Der Facebook-Gründer hat seine Vorliebe für weite Poloshirts entdeckt und will nun nach eigener Aussage „die 20 Poloshirts mit Kragen finden, die ihm am besten gefallen“. Dabei sei ihm aufgefallen, dass „wenn man erst mal ein paar Shirts gekauft hat, man plötzlich viel mehr Werbung für Shirts bekommt“.
    Meta, Mark Zuckerbergs Konzern, soll übrigens dieses Jahr nach einer Prognose von eMarketer erstmals mehr Werbeeinnahmen erzielen als der bisherige Spitzenreiter Google.