Digitale Agenda Die Nachrichten der Woche aus der digitalen Welt, jeden Freitag Nachmittag.

  • Digitale Agenda KW 30 | 2026

    Diese Woche

    Neues OpenAI-Modell hackt eigenständig KI-Dienstleister
    Während eines internen Tests mit zwei neuen KI-Modellen bei OpenAI entwichen letztere aus ihrer Testumgebung und hackten die Website der Modell-Plattform Hugging Face. Es war ein vermeidbarer Fehler, der einige Fragen aufwirft (siehe auch ganz unten). Für das BSI dennoch Grund genug, KI-Firmen für derlei Vorfälle in die Pflicht zu nehmen.

    EU fordert Notfallmaßnahmen für Ausfall ausländischer KI-Modelle
    Für den Fall, dass der Zugriff auf KI-Modelle eines ausländischen Anbieters entzogen wird, hat die EU-Kommission in ihrem Aktionsplan zu Cybersicherheit und KI erstmals neun Schlüsselaktionen als Notfallmaßnahmen eingefordert, um die Handlungsfähigkeit europäischer Firmen zu sichern. 

    EU-Strafe für Google wird zum transatlantischen Politikum
    Die erste saftige Strafe für einen US-Konzern wegen Verletzung des Digital Markets Acts wird mit großer Wahrscheinlichkeit eine Retourkutsche von US-Präsident Trump hervorrufen. Heute wird eine Ankündigung über neue Strafzölle für europäische Produkte erwartet.

    Frankreich beschließt Social-Media-Verbot für Jugendliche
    Kinder unter 15 Jahren sollen nach den Sommerferien keine Social-Media-Accounts mehr erstellen können, beschloss das französische Parlament. Unterdessen wird deutlich, dass die EU flächendeckende Alterskontrollen für alle für den Zugang ins Internet durchsetzen will. 

    Anthropic zahlt Rekordsumme für verletzte Urheberrechte
    Im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung von Anthropic mit zahlreichen Autorinnen und Autoren wird der KI-Anbieter eine Strafe von 1,5 Milliarden Dollar bezahlen – und kommt dabei relativ günstig weg.

    Tech

    Neues Modell aus China erschüttert Bewertungen westlicher KI-Firmen
    Kimi K3 des chinesischen Anbieters Moonshot AI ist mit 2,8 Billionen Parametern das weltgrößte offene Modell – und rennt bereits offene Türen ein. Inkling, das erste Modell des Startups der ehemaligen Produktchefin von OpenAI, basiert teilweise darauf.
    Google stellte unterdessen zwei Light-Versionen seiner neuesten Gemini-Modelle und arbeitet an KI-Chips mit integrierten KI-Modellen. 

    Mistral gewinnt Microsoft als neuen Kooperationspartner 
    Das französische KI-Startup hat einen Kooperationsvertrag über mehrere Milliarden Euro mit Microsoft abgeschlossen, der letzterem vor allem Zugang zu Mistrals Rechenzentren sichern soll. Auch Samsung erwägt laut Medienberichten eine milliardenschwere Zusammenarbeit mit Mistral. 

    Samsung stellt neue faltbare Smartphones vor
    Die neuen Geräte der Koreaner weisen nicht mehr die Schwächen der ersten Klapp-Smartphones auf, doch die Preise sind nicht zuletzt wegen der erhöhten Speicherpreise weiterhin gesalzen. So kostet das günstigste Modell mit 12 GB Arbeitsspeicher bereits 1299 Euro.

    Digitale Arbeit

    Woran die KI-bedingte höhere Produktivität meistens scheitert
    KI kann die Produktivität des Einzelnen zwischen 17 und 40 Prozent steigern, fand eine Feldstudie des Harvard Business Schools heraus, doch diese überträgt sich nicht automatisch in gleichem Maße auf die Organisationsebene. 

    Was der Hugging-Face-Vorfall über die Arbeit mit KI-Agenten sagt
    Der Einsatz von KI-Agenten geht mit neuen Herausforderungen für das Identitäts- und Zugriffsmanagement einher. Unternehmen müssen entscheiden, welche Rechte ein KI-Agent erhält, welche Anweisungen für ihn gelten und wie verhindert wird, dass er die Grenzen seines Auftrags überschreitet.

    Zu guter Letzt …

    Hugging-Face-Affäre entlarvt die PR-Masche von OpenAI & Co.
    Ein positiver Nebeneffekt des OpenAI/Hugging-Face-Vorfalls ist, dass die PR-Strategie der KI-Firmen langsam für alle deutlich erkennbar wird – sie scheinen die Katastrophe als effektives Marketing-Vehikel für sich entdeckt zu haben. Das Beste dabei: Beim Ausschlachten einer Katastrophe für PR-Zwecke lassen sich die Fehler und Nachlässigkeiten ihrer Entwickler als „Intelligenz“ ihrer KI-Modelle verkaufen. Diese Masche kaufen ihnen inzwischen weder IT-Profis noch die Tagespresse (€) ab. Vielmehr wird dadurch auch ihr Märchen von der Allmacht der KI immer durchsichtiger.

  • Digitale Agenda KW 29 | 2026

    Diese Woche

    EU-Ministerrat will erneut die Chatkontrolle durchpeitschen
    EU und Bundesregierung halten hartnäckig ihren Kurs in Richtung Totalüberwachung:
    → Der EU-Ministerrat unternimmt mitten in den Sommerferien einen erneuten Versuch, Messenger-Betreiber zu einer Durchleuchtung aller Chats vor der Verschlüsselung zu verpflichten.
    → EU-Experten empfehlen ein Social-Media-Verbot für unter 13-Jährige, wie zuvor auch die deutsche Familienministerin. Abgesehen davon, dass solche Maßnahmen gesellschaftlich umstritten sind, würde dies nur über eine generelle Aufhebung der Anonymität im Internet funktionieren. Eine wirksame Kontrolle der Plattformen und Bußgelder gegen süchtig machende Praktiken wie zuletzt gegen Meta und TikTok erscheinen sinnvoller.
    → Während das neue Bundespolizeigesetz das Zeitalter der automatisierten Überwachung einläutet, will Innenminister Dobrindt den Bundesnachrichtendienst im Rahmen einer Reform zu einem richtigen Geheimdienst ausbauen, der heutige rote Linien weit überschreitet.
    → Unterdessen wird klar, was die Reform des Datenschutzes wirklich bedeuten würde, und gegen die faktische Abschaffung des Informationsfreiheitsgesetzes regt sich heftiger Widerstand von Bürgern und zivilgesellschaftlichen Organisationen.

    Bundestags-Gutachten empfiehlt Open-Source-First-Strategie
    Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags über Vergabeverfahren bei Ausschreibungen von Behörden erklärt die explizite Forderung nach Open-Source-Lösungen als rechtlich zulässig und aus strategischen sowie wirtschaftlichen Gründen als den oft sinnvollsten Weg.
    Der derzeitige Open-Source-Trend wird auch durch einen Mozilla-Report untermauert: Demnach sind Open-Source-KI-Modelle inzwischen denen von Anthropic und OpenAI fast ebenbürtig. 

    Schufa erneut in Datenskandal verwickelt
    Recherchen von NDR und der Süddeutschen Zeitung brachten an den Tag, dass die Schufa neben ihrer offiziellen Datenbank auch eine Datenbank mit „historischen“ Daten über Millionen von Verbrauchern betreibt. Letztere konnten bisher davon ausgehen, dass diese Daten längst gelöscht sind, wie es auch EU-Gesetze vorschreiben. 

    Aktien großer Software-Hersteller geraten unter Druck
    Nach den enttäuschenden Zahlen für das abgelaufene Quartal ist der Kurs der IBM-Aktie um 27 Prozent eingebrochen. Auch die Aktien von SAP, Salesforce und anderen SaaS-Anbietern leiden schon länger unter den Befürchtungen über die Auswirkungen von KI auf deren Geschäftsmodell, die zum Teil berechtigt sind. 

    Tech

    Die erste Hardware von OpenAI – ein Tasten-Pad
    Lange wurde spekuliert, was die erste KI-Hardware von OpenAI sein würde, zuletzt ging man von einem smarten Lautsprecher aus. Nun ist es ein Makropad geworden, mit dem sich vor allem KI-Agenten steuern lassen sollen. Und genau genommen ist es kein OpenAI-Produkt, sondern eines des Peripherieherstellers Worklouder.
    Unterdessen wurde OpenAI von Apple verklagt, weil OpenAI den mehr als 400 Entwicklern, die es von Apple abgeworben hat, nahegelegt haben soll, Apple-Betriebsgeheimnisse zu klauen.

    Google muss KI von Wettbewerbern auf Android zulassen
    Nutzer von Android-Smartphones sollen das Recht haben, statt Gemini einen KI-Assistenten eines Konkurrenzunternehmens darauf zu betreiben, ordnete die EU-Kommission an. 

    Fünf geeignete Anwendungsszenarien für KI-Agenten
    KI-Agenten scheinen der erste wirklich gangbare Weg zu sein, um generative KI einigermaßen sicher in Unternehmensprozesse einzubinden. Diese fünf Use Cases haben sich bisher als stabil genug für diesen Zweck erwiesen.

    Digitale Arbeit

    Erfahrungsbericht: Wie KI die Arbeit von Data Scientists verändert
    Die Verwendung einer Coding-KI wie Claude Code befreit Data Scientists von lästigen Programmierarbeiten, sodass sie sich besser auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren können. Doch das bringt neue Gefahren mit sich und setzt eine Änderung der eigenen Arbeitsweise voraus.

    Anthropic erleichtert Teamwork bei Claude Artifacts
    Artifacts ermöglicht Claude-Nutzern, eigenständige Dashboards, Prototypen, Websites oder Dokumente, die dauerhaft erhalten bleiben, einzurichten. Nun können sie diese auch mit Kollegen teilen, die keinen eigenen Claude-Account oder Zugriff auf deren Workspace besitzen. 

    Zu guter Letzt …

    Wer für Palantir arbeitet, muss Tötungssoftware OK finden
    Ein Softwareentwickler berichtet, dass Bewerber beim Einstellungsgespräch gefragt werden, wie sie sich fühlen würden, wenn sie an Software arbeiten, die Menschen tötet. Palantir-Software wird zunehmend im Ukrainekrieg sowie von Israel in den besetzten Gebieten und in Libanon eingesetzt – für genau diesen Zweck. 

  • Digitale Agenda KW 28 | 2026

    Diese Woche

    Heftiger Widerstand gegen das Reformpaket der Bundesregierung
    Vor allem gegen die faktische Abschaffung des Informationsfreiheitsgesetzes laufen Bürgerrechtler aus allen politischen Lagern Sturm. Dazu gehören die noch amtierende Bundesdatenschutzbeauftragte ebenso wie ihre Vorgänger. Gegenwind gibt es auch aus der SPD-Fraktion. Gegen das neue Überwachungsgesetz, das Maßnahmen wie Bahnhofsüberwachung mit Verhaltensscannern vorsieht, gibt es ebenfalls Widerstand. 

    EU-Parlament mogelt ‚Freiwillige‘ Chatkontrolle durch
    Durch einen umstrittenen (laut Martin Sonneborn illegalen) Verfahrenstrick wurde die „freiwillige“ Chatkontrolle im EU-Parlament durchgeboxt. Nun dürfen Plattformbetreiber wie Google oder Meta unverschlüsselte Messenger-Kommunikation anlasslos überwachen und mitlesen.

    US-Bundesstaaten fordern 1,4 Billionen Dollar Strafe für Meta
    In einem im August beginnenden Gerichtsverfahren muss sich Meta gegen den Vorwurf verteidigen, seine Plattformen absichtlich so gestaltet zu haben, dass Kinder und Jugendliche süchtig werden. Vier der insgesamt 29 US-Bundesstaaten, die den Facebook-Konzern verklagt haben, fordern nun eine drakonische Strafzahlung.

    China geht bei KI eigene Wege – Lektionen für Europa
    Die chinesische Regierung hat vor einiger Zeit strengere Regeln gegen menschenähnliche KI ausgegeben, um Verbraucher vor KI-Sucht zu schützen, und Großkonzerne wie Alibaba haben bereits entsprechende Features entfernt. Außerdem setzt China mittelfristig auf eigene Prozessoren. Auch Europa könnte sich auf seine Stärken konzentrieren und eigene Wege gehen. 

    Läuft es mit dem KI-Boom ähnlich wie mit der Dotcom-Blase?
    Die aktuelle KI-Euphorie wird auch von Investment-Bankern immer wieder mit der Dotcom-Blase verglichen – und es gibt durchaus Parallelen, aber auch große Unterschiede. Eine Expertin hat einen systematischen Vergleich gewagt. 

    Tech

    EU plant eigenes Öko-Label für Rechenzentren
    Noch diesen Monat will die EU-Kommission eine Verordnung beschließen, die Energielabels für Rechenzentren in der EU vorschreibt. Die neuen Rechenzentren verhageln derweil die Energiebilanz der IT-Konzerne. So sind Microsofts Emissionen dank KI um 25 Prozent gestiegen, während Google jetzt so viel Strom wie ein Land wie Griechenland verbraucht.

    Anthropic-Forscher finden heraus, wie Claude lügt
    Einem Blogbeitrag von Anthropic zufolge hat das Modell selbst einen eigenen Bereich geschaffen, in dem komplexe rationale Abwägungen stattfinden. Genau hier entscheidet es sich manchmal heimlich, seinen menschlichen Benutzer anzulügen.

    KI-generierte Figur wird Hauptdarstellerin in einem Spielfilm
    Das KI-Studio Particle 6 arbeitet gerade an einem abendfüllenden Spielfilm, in dem eine KI-generierte Figur die Hauptrolle spielen soll. Das Studio hat den Ehrgeiz, „Tilly Norwood“ zur nächsten Scarlett Johansson aufzubauen. 

    Digitale Arbeit

    Schritt für Schritt: So entsteht ein KI-Agent
    KI-Agenten können nicht nur Texte schreiben und Fragen beantworten, sondern auch komplexe Geschäftsprozesse automatisieren. Und so sieht der typische Werdegang eines produktiven Agenten im Detail aus.

    Verbreitung von KI lässt immer Jobtitel entstehen
    Einer Arbeitsmarktstudie der Recruiting-Plattform Indeed zufolge entstanden allein im ersten Quartal dieses Jahres 288 neue Jobtitel, deren Tätigkeit sich explizit mit KI befasst. Das entspricht 4,2 Prozent der aktuell in Deutschland ausgeschrieben Berufe, wobei fast zwei Drittel dieser neuen Stellen nicht zum Tech-Sektor gehören.

    Zu guter Letzt …

    Metas Datenbrille soll bald mehr können als heimlich filmen
    Dank „Super Sensing“ sollen künftige Modelle der Smart Glasses von Meta und Ray-Ban kontinuierlich Audio aufzeichnen und alle paar Sekunden Fotos schießen können – als eine Art digitale Gedächtnisstütze. Unterdessen spielt Meta aktuell ein Update für die Brille aus, das eine Manipulation der Kontrollleuchte, um heimlich filmen zu können, endgültig verhindern soll.