Digitale Agenda Die Nachrichten der Woche aus der digitalen Welt, jeden Freitag Nachmittag.

  • Digitale Agenda KW 35 | 2026

    Diese Woche

    Vergleiche bewahren Meta und TikTok vor Verurteilung
    Im Verfahren mehrerer US-Bundesstaaten gegen Meta wegen möglicher Gefahren durch soziale Medien für Kinder haben sich die beiden Parteien auf eine Strafzahlung von 16,7 Milliarden Dollar und die Einführung von Maßnahmen wie Zeitlimits und nächtlichen Zugangssperren geeinigt. TikTok und das US-Justizministerium einigten sich im Streit um ähnliche Vorwürfe auf eine Strafzahlung von 400 Millionen Dollar. 

    Berlin startet Projekt mit Verhaltensscannern
    30 Überwachungskameras, die mit einem KI-System verbunden sind, sollen über eine Verhaltensanalyse der Personen auf den Bildern für mehr Sicherheit am Kottbusser Tor sorgen. Weitere Plätze sollen folgen. Berlin ist die vierte Stadt nach Mannheim, Hamburg und Bremen, die Verhaltensscanner einsetzt, trotz des Vorwurfs des Verfassungsbruchs. In Bremen wurde das System einem Bericht zufolge nur angeschafft, weil der Bund 80 Prozent der Projektkosten übernahm. 

    KI-Branche dreht weiter am Milliardenrad
    Um den Aktienpreis bei seinem anstehenden Börsengang nach oben zu pushen, will Anthropic den für das Unternehmen verfügbaren Markt angeblich auf 30 Billionen Dollar beziffern. Zum Vergleich: das aktuelle Volumen des weltweiten IT-Markts liegt bei 14,4 Billionen Dollar. Möglicherweise ist der Grund für Anthropics Zuversicht die Aussicht auf staatliche Aufträge, denn sein Ausschluss aus dem US-Verteidigungsministerium hat ein Gericht gerade als rechtswidrig beurteilt. 

    Nvidia erhöht Server-Preise und will Hugging Face kaufen
    Medienberichten zufolge liegt die Kaufsumme für die unabhängige Plattform, über die derzeit rund 3.000 KI-Modelle heruntergeladen werden können, bei 13 Milliarden Dollar. Unterdessen sollen die Preise für Server demnächst um mehr als 15 Prozent steigen, angeblich wegen höherer Speicherpreise. 

    Wo Ihre Gesichtsscans für LinkedIn, OpenAI & Co. tatsächlich landen
    Die Verifizierung Ihrer Identität für populäre Internet-Plattformen und Handelsplätze wie Etsy wird in Wirklichkeit von einem Dienstleister namens Persona, in dem auch Palantir-Gründer Peter Thiel investiert hat. Personas Handhabung der gespeicherten Daten wirft einige Fragen auf.
    Beim neuen Datenaustauschabkommen zwischen EU und den USA sollen hingegen nach aktuellem Stand der Verhandlungen keine Gesichtsbilder an die USA übermittelt werden. 

    Tech

    Angriff von OpenAI auf Hugging Face hätte verhindert werden können
    Im Abschlussbericht des Vorfalls wird ersichtlich, dass die ersten Warnsignale im Mai von den OpenAI-Entwicklern ignoriert wurden. Stattdessen wurden einige Eigenschaften, die später zum Einbruch bei Hugging Face führten, im Training verstärkt. Eine Analyse dieses und ähnlicher Fälle offenbart, wie viel Unternehmen in Sachen KI-Sicherheit noch zu lernen haben.  

    Bill Gates fordert globale Behörde zur KI-Regulierung
    In einem neuen Blogbeitrag warnt der Microsoft-Gründer vor dem Gefahrenpotenzial für die Gesellschaft durch KI und fordert eine neue internationale Organisation zur KI-Regulierung, ähnlich den Abkommen zu Atomkontrollen oder zum Schutz der Ozonschicht. Hierzu will er demnächst auch mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping sprechen. 

    Robotaxis sollen auch Deutschland erobern
    München soll voraussichtlich ab Ende 2027 die erste Stadt in Deutschland sein, in der künftig Taxis ohne menschliches Personal fahren können. Die Google-Schwesterfirma Waymo will in den nächsten Wochen die ersten bemannten Fahrzeuge auf die Straße schicken, um die Algorithmen auf die Münchner Verkehrsverhältnisse zu trainieren. 

    Digitale Arbeit

    So lassen sich DSGVO-konforme KI-Workflows in der Praxis umsetzen
    Für Unternehmen sind Datenschutzfragen sind laut Bitkom das größte Hindernis bei der Implementierung von KI-Anwendungen. Doch das ist ein lösbares Problem, wie ein Experte erklärt. 

    Gamification ist längst im Arbeitsalltag angekommen
    Unternehmen nutzten spielerische Elemente etwa bei der Einarbeitung neuer Kollegen, für Schulungen oder zur Mitarbeiterbeteiligung. Doch Gamification wird in mehr Bereichen der Wirtschaft angewendet, als uns bewusst ist.

    Zu guter Letzt …

    Humanoider Roboter rennt schneller als schnellster Mensch
    Bei den World Humanoid Robot Games in China hat ein Roboter den Weltrekord von Usain Bolt über 100 Meter unterboten. Schön für den Hersteller, aber auf die zündende Idee für ein Produkt für den Massenmarkt wartet die Welt immer noch. 

  • Digitale Agenda KW 34 | 2026

    Diese Woche

    OpenAI und Anthropic bremsen bei der Entwicklung neuer Modelle
    OpenAI kann neue Sicherheitsvorfälle nicht ausschließen, Anthropic führt ähnliche Gründe an und will ein neues Modell vorerst nur intern einsetzen. Einige Kenner der Szene vermuten rein finanzielle Gründe dahinter. Fakt ist, dass beide gerade viel Geld ausgeben und es recht eilig mit ihrem Börsengang zu haben scheinen, zuletzt Anthropic zu einer Valuierung von ca. 2 Billionen Dollar.

    Frankreichs Social-Media-Verbot wurde gestoppt
    Letzten Freitag wurde das entsprechende Gesetz vom Verfassungsrat abgelehnt. Es soll nun überarbeitet und möglicherweise im Frühjahr nächsten Jahres in Kraft treten. Eine Analyse der Entscheidung und der Optionen, die nun der Regierung verbleiben, könnte auch die Debatte in Deutschland beeinflussen. 

    Polizeigesetz von Schleswig-Holstein: „Wie aus 1984“
    Zu diesem Urteil kommt die Analyse einer Bürgerrechtsgruppe. Dennoch wurde das Gesetz in erster Lesung vom Landtag beschlossen und ist nachträglich noch einmal verschärft worden. Betrachtet man solche Gesetze und die Geheimdienstreform in Kombination, ergibt das einen Überwachungsstaat wie den, in welchen Argentinien sich gerade entwickelt. 

    Findet gerade eine Büchervernichtung der KI zuliebe statt?
    Schon länger steht der Vorwurf im Raum, dass OpenAI und Anthropic ihre KI auch mit seltenen Büchern trainieren, die sie hinterher vernichten. Nun scheint es dem US-Magazin 404 Media gelungen zu sein, erste Beweise dafür zu erbringen. 

    Berliner Verwaltung wird Opfer eines Hackerangriffs
    Bei einem Cyberangriff auf mehrere Landesbehörden scheinen keine sensiblen Daten abgeflossen zu sein, doch die Behörden haben die Folgen noch nicht überstanden. Nun scheinen Tausende Wohngeldzahlungen in Gefahr zu sein. 

    Tech

    Anthropic befürchtet Revierkämpfe zwischen KI-Assistenten
    Das KI-Unternehmen hat untersucht, was passiert, wenn Schwärme von autonomen KI-Agenten aufeinandertreffen. Es stellte sich heraus, dass die Agenten sich gegenseitig behindern, zunehmend aggressiver werden und sich gegenseitig mit Schadsoftware sabotieren.

    Breite Ablehnung für Smart Glasses und KI-Entkleidungs-Apps
    Nach einer Umfrage des Bitkom lehnen 84 Prozent der Befragten KI-Anwendungen ab, die aus normalen Fotos mit wenigen Klicks sexualisierte Bilder erzeugen können. Einer anderen Umfrage zufolge würden 62 Prozent der Befragten Menschen mit Smart Glasses nicht ins eigene Zuhause lassen, 43 Prozent hätten aber nichts dagegen, selbst welche zu tragen. 

    Ein ehrlicher Blick auf KI-Agenten – von einem gestandenen Techniker
    KI-Agenten gelten derzeit als Antwort auf nahezu jede betriebliche Herausforderung. Viele sehen die Systeme als Nachfolger bestehender Automatisierungstechnologien. Das suggeriert einen Wettbewerb, der in Wirklichkeit gar nicht existiert.

    Digitale Arbeit

    Design und Produktentwicklung: Die Grenzen werden durchlässiger
    KI beschleunigt die Arbeit von Design- und Entwickler-Teams und liefert ihnen mehr Optionen, ihre Produkte zu gestalten. Doch sie macht auch eine Neudefinition ihrer Zusammenarbeit nötig.

    Wie würden Sie über einen digitalen Zwilling von sich selbst denken?
    Die Industrie kann mit dem Konzept des digitalen Zwillings von Arbeitenden sehr viel anfangen, einzelne Anbieter versuchen, entsprechende Produkte zu vermarkten, und Fraunhofer forscht nun am Konzept des Mindset Twins. 

    Zu guter Letzt …

    Apple wird jetzt Tracking-freundlicher
    Apple hatte vor fünf Jahren das Tracking über mehrere Apps hinweg für externe Anbieter erschwert. Nun wird der Konzern vom Bundeskartellamt dazu gezwungen, diese Regelung zu lockern, um Drittanbieter nicht zu benachteiligen. Die Konsequenz: Das Wort „Tracking“ wird in der entsprechenden Einstellungsseite nicht mehr erwähnt und App-Betreibern dürfen Nutzer nach einem Jahr wieder um ihre Erlaubnis fragen, deren Aktivität bei anderen Anwendungen und Websites zu tracken. Sollten Sie bisher geglaubt haben, dass das Kartellamt im Interesse der Verbraucher handelt, so stimmt das nicht ganz. Vielleicht indirekt, aber seine eigentliche Aufgabe besteht darin, für einen fairen Wettbewerb im Markt zu sorgen. Und in dieser Eigenschaft sind die Wettbewerbshüter offenbar durchaus bereit, auch manipulative Benutzeroberflächen zu tolerieren.

  • Digitale Agenda KW 33 | 2026

    Diese Woche

    Rechenzentren als Zankapfel zwischen Konzernen, Politik und Bürgern
    Das Ziel der Bundesregierung ist eine Verdoppelung der Rechenkapazitäten und eine Vervierfachung der KI-Kapazitäten bis 2030, doch hierfür hat sie weder einen eigenen Plan noch kann sie abschätzen, wie viel Wasser die neuen Rechenzentren verbrauchen werden (siehe auch FAQ zum Thema Wasserverbrauch).
    Gegen ein neues Rechenzentrum in der Nähe von Regensburg formiert sich Widerstand.
    Amazon will für einen neuen Rechenzentrumskomplex in Texas das größte Gaskraftwerk der USA bauen.
    Der Stromverbrauch in den USA soll drastisch wachsen, wenn nicht noch mehr Bundesstaaten wie New York und Texas einen Baustopp für neue Rechenzentren beschließen.
    61 Prozent der US-Bürger sind inzwischen gegen den Bau neuer Rechenzentren in ihrer Gemeinde, Tendenz steigend.

    Klagewelle gegen Meta wird immer größer
    Während in Kalifornien ein Mammutprozess gegen Meta wegen Suchtgefahr durch Facebook und Instagram beginnt, fordert HateAid den Verkaufsstopp KI-Brille von Meta und hat Strafanzeige gegen Manager gestellt, die für den Vertrieb der Smart Glasses in Deutschland verantwortlich sind. An der Sammelklage gegen Meta wegen illegaler Datensammlung außerhalb der eigenen Medien beteiligen sich inzwischen 400.000 Nutzer in Deutschland. 

    Intel tankt frisches Kapital und denkt wieder an neue Werke
    Die Ausgabe neuer Aktien verlief besser als ursprünglich geplant und brachte dem gebeutelten Konzern 20 Milliarden Dollar ein. 5 Milliarden sollen nun in das Intel-Werk in Irland investiert werden, der weitere Ausbau von Produktionskapazitäten erscheint wahrscheinlich.  

    Atlassian will Nutzerdaten für KI-Training verwenden
    Der Nutzung von sensiblen In-App-Inhalten kann jedes Unternehmen unabhängig vom Tarif widersprechen. Bei den Tarifen Free und Standard ist ihre Weitergabe zunächst eingeschaltet, kann aber über die Einstellungen abgeschaltet werden. Bei Premium und Enterprise ist die Weitergabe standardmäßig ausgeschaltet.

    Tech

    Anthropic will KI-Texte mit Wasserzeichen versehen
    Vom Anthropic-Chatbot Claude generierte KI-Texte sollen künftig mit einem digitalen Wasserzeichen markiert werden, teilte das Unternehmen mit. Bestimmte von Claude generierte Dateien sollen außerdem signierte Metadaten enthalten, welche die Herkunft der Datei verraten.

    OpenAI stoppt aus Sicherheitsgründen die Entwicklung von Astra
    Die Entwickler sprechen vom Erreichen eines „kritischen Fähigkeitsniveaus“ und können zum derzeitigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass das neue Modell ohne ihr Wissen Software-Schwachstellen ausnützt und in fremde Systeme eindringt. 

    Cyberangriffe durch KI-Bots werden zur Normalität
    Ein Angriff über autonome KI-Agenten fand neulich gegen die Behörden von Taiwan statt und war offenbar von Profis orchestriert, doch es geht auch einfacher, nämlich über OpenClaw. 

    Digitale Arbeit

    M365-Updates müssen nicht immer Chaos verursachen
    Microsoft aktualisiert seine M365-Programme einmal pro Woche und nicht selten sitzen Anwender danach ratlos vor ihren Bildschirmen. Ein Schweizer Unternehmen verspricht Abhilfe durch kompakte Informationen und Videos, welche die Updates aufbereiten die Änderungen verständlich für die Nutzer erklären.

    Wie Sie KI- und Datenpannen vermeiden können
    Die Computerwoche hat sieben Beispiele für KI- und Daten-Fuckups zusammengetragen, die repräsentativ für die am häufigsten gemachten Fehler sind. 

    Zu guter Letzt …

    Das Internet der Menschen wird immer kleiner
    Zumindest im Verhältnis zum Internet der Bots, das laut Cloudflare seit Mai dieses Jahres für mehr Internet-Verkehr verantwortlich ist als das Internet der Menschen. Cloudflare-Chef Thomas Seifert hatte diese Entwicklung erst 2027 erwartet. Wenn dieser Trend anhält, wird laut Seifert in fünf Jahren der Bot-Traffic 1.000 Mal größer sein als der von Menschen verursachte Verkehr. „Menschen werden im Internet nur noch ein Rundungsfehler sein“, so Seifert.