Digitale Agenda Die Nachrichten der Woche aus der digitalen Welt, jeden Freitag Nachmittag.

  • Digitale Agenda KW 34 | 2026

    Diese Woche

    OpenAI und Anthropic bremsen bei der Entwicklung neuer Modelle
    OpenAI kann neue Sicherheitsvorfälle nicht ausschließen, Anthropic führt ähnliche Gründe an und will ein neues Modell vorerst nur intern einsetzen. Einige Kenner der Szene vermuten rein finanzielle Gründe dahinter. Fakt ist, dass beide gerade viel Geld ausgeben und es recht eilig mit ihrem Börsengang zu haben scheinen, zuletzt Anthropic zu einer Valuierung von ca. 2 Billionen Dollar.

    Frankreichs Social-Media-Verbot wurde gestoppt
    Letzten Freitag wurde das entsprechende Gesetz vom Verfassungsrat abgelehnt. Es soll nun überarbeitet und möglicherweise im Frühjahr nächsten Jahres in Kraft treten. Eine Analyse der Entscheidung und der Optionen, die nun der Regierung verbleiben, könnte auch die Debatte in Deutschland beeinflussen. 

    Polizeigesetz von Schleswig-Holstein: „Wie aus 1984“
    Zu diesem Urteil kommt die Analyse einer Bürgerrechtsgruppe. Dennoch wurde das Gesetz in erster Lesung vom Landtag beschlossen und ist nachträglich noch einmal verschärft worden. Betrachtet man solche Gesetze und die Geheimdienstreform in Kombination, ergibt das einen Überwachungsstaat wie den, in welchen Argentinien sich gerade entwickelt. 

    Findet gerade eine Büchervernichtung der KI zuliebe statt?
    Schon länger steht der Vorwurf im Raum, dass OpenAI und Anthropic ihre KI auch mit seltenen Büchern trainieren, die sie hinterher vernichten. Nun scheint es dem US-Magazin 404 Media gelungen zu sein, erste Beweise dafür zu erbringen. 

    Berliner Verwaltung wird Opfer eines Hackerangriffs
    Bei einem Cyberangriff auf mehrere Landesbehörden scheinen keine sensiblen Daten abgeflossen zu sein, doch die Behörden haben die Folgen noch nicht überstanden. Nun scheinen Tausende Wohngeldzahlungen in Gefahr zu sein. 

    Tech

    Anthropic befürchtet Revierkämpfe zwischen KI-Assistenten
    Das KI-Unternehmen hat untersucht, was passiert, wenn Schwärme von autonomen KI-Agenten aufeinandertreffen. Es stellte sich heraus, dass die Agenten sich gegenseitig behindern, zunehmend aggressiver werden und sich gegenseitig mit Schadsoftware sabotieren.

    Breite Ablehnung für Smart Glasses und KI-Entkleidungs-Apps
    Nach einer Umfrage des Bitkom lehnen 84 Prozent der Befragten KI-Anwendungen ab, die aus normalen Fotos mit wenigen Klicks sexualisierte Bilder erzeugen können. Einer anderen Umfrage zufolge würden 62 Prozent der Befragten Menschen mit Smart Glasses nicht ins eigene Zuhause lassen, 43 Prozent hätten aber nichts dagegen, selbst welche zu tragen. 

    Ein ehrlicher Blick auf KI-Agenten – von einem gestandenen Techniker
    KI-Agenten gelten derzeit als Antwort auf nahezu jede betriebliche Herausforderung. Viele sehen die Systeme als Nachfolger bestehender Automatisierungstechnologien. Das suggeriert einen Wettbewerb, der in Wirklichkeit gar nicht existiert.

    Digitale Arbeit

    Design und Produktentwicklung: Die Grenzen werden durchlässiger
    KI beschleunigt die Arbeit von Design- und Entwickler-Teams und liefert ihnen mehr Optionen, ihre Produkte zu gestalten. Doch sie macht auch eine Neudefinition ihrer Zusammenarbeit nötig.

    Wie würden Sie über einen digitalen Zwilling von sich selbst denken?
    Die Industrie kann mit dem Konzept des digitalen Zwillings von Arbeitenden sehr viel anfangen, einzelne Anbieter versuchen, entsprechende Produkte zu vermarkten, und Fraunhofer forscht nun am Konzept des Mindset Twins. 

    Zu guter Letzt …

    Apple wird jetzt Tracking-freundlicher
    Apple hatte vor fünf Jahren das Tracking über mehrere Apps hinweg für externe Anbieter erschwert. Nun wird der Konzern vom Bundeskartellamt dazu gezwungen, diese Regelung zu lockern, um Drittanbieter nicht zu benachteiligen. Die Konsequenz: Das Wort „Tracking“ wird in der entsprechenden Einstellungsseite nicht mehr erwähnt und App-Betreibern dürfen Nutzer nach einem Jahr wieder nach einer Erlaubnis zu fragen, deren Aktivität bei anderen Anwendungen und Websites zu tracken. Sollten Sie bisher geglaubt haben, dass das Kartellamt im Interesse der Verbraucher handelt, so stimmt das nicht ganz. Vielleicht indirekt, aber seine eigentliche Aufgabe besteht darin, für einen fairen Wettbewerb im Markt zu sorgen. Und in dieser Eigenschaft sind die Wettbewerbshüter offenbar durchaus bereit, auch manipulative Benutzeroberflächen zu tolerieren.

  • Digitale Agenda KW 33 | 2026

    Diese Woche

    Rechenzentren als Zankapfel zwischen Konzernen, Politik und Bürgern
    Das Ziel der Bundesregierung ist eine Verdoppelung der Rechenkapazitäten und eine Vervierfachung der KI-Kapazitäten bis 2030, doch hierfür hat sie weder einen eigenen Plan noch kann sie abschätzen, wie viel Wasser die neuen Rechenzentren verbrauchen werden (siehe auch FAQ zum Thema Wasserverbrauch).
    Gegen ein neues Rechenzentrum in der Nähe von Regensburg formiert sich Widerstand.
    Amazon will für einen neuen Rechenzentrumskomplex in Texas das größte Gaskraftwerk der USA bauen.
    Der Stromverbrauch in den USA soll drastisch wachsen, wenn nicht noch mehr Bundesstaaten wie New York und Texas einen Baustopp für neue Rechenzentren beschließen.
    61 Prozent der US-Bürger sind inzwischen gegen den Bau neuer Rechenzentren in ihrer Gemeinde, Tendenz steigend.

    Klagewelle gegen Meta wird immer größer
    Während in Kalifornien ein Mammutprozess gegen Meta wegen Suchtgefahr durch Facebook und Instagram beginnt, fordert HateAid den Verkaufsstopp KI-Brille von Meta und hat Strafanzeige gegen Manager gestellt, die für den Vertrieb der Smart Glasses in Deutschland verantwortlich sind. An der Sammelklage gegen Meta wegen illegaler Datensammlung außerhalb der eigenen Medien beteiligen sich inzwischen 400.000 Nutzer in Deutschland. 

    Intel tankt frisches Kapital und denkt wieder an neue Werke
    Die Ausgabe neuer Aktien verlief besser als ursprünglich geplant und brachte dem gebeutelten Konzern 20 Milliarden Dollar ein. 5 Milliarden sollen nun in das Intel-Werk in Irland investiert werden, der weitere Ausbau von Produktionskapazitäten erscheint wahrscheinlich.  

    Atlassian will Nutzerdaten für KI-Training verwenden
    Der Nutzung von sensiblen In-App-Inhalten kann jedes Unternehmen unabhängig vom Tarif widersprechen. Bei den Tarifen Free und Standard ist ihre Weitergabe zunächst eingeschaltet, kann aber über die Einstellungen abgeschaltet werden. Bei Premium und Enterprise ist die Weitergabe standardmäßig ausgeschaltet.

    Tech

    Anthropic will KI-Texte mit Wasserzeichen versehen
    Vom Anthropic-Chatbot Claude generierte KI-Texte sollen künftig mit einem digitalen Wasserzeichen markiert werden, teilte das Unternehmen mit. Bestimmte von Claude generierte Dateien sollen außerdem signierte Metadaten enthalten, welche die Herkunft der Datei verraten.

    OpenAI stoppt aus Sicherheitsgründen die Entwicklung von Astra
    Die Entwickler sprechen vom Erreichen eines „kritischen Fähigkeitsniveaus“ und können zum derzeitigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass das neue Modell ohne ihr Wissen Software-Schwachstellen ausnützt und in fremde Systeme eindringt. 

    Cyberangriffe durch KI-Bots werden zur Normalität
    Ein Angriff über autonome KI-Agenten fand neulich gegen die Behörden von Taiwan statt und war offenbar von Profis orchestriert, doch es geht auch einfacher, nämlich über OpenClaw. 

    Digitale Arbeit

    M365-Updates müssen nicht immer Chaos verursachen
    Microsoft aktualisiert seine M365-Programme einmal pro Woche und nicht selten sitzen Anwender danach ratlos vor ihren Bildschirmen. Ein Schweizer Unternehmen verspricht Abhilfe durch kompakte Informationen und Videos, welche die Updates aufbereiten die Änderungen verständlich für die Nutzer erklären.

    Wie Sie KI- und Datenpannen vermeiden können
    Die Computerwoche hat sieben Beispiele für KI- und Daten-Fuckups zusammengetragen, die repräsentativ für die am häufigsten gemachten Fehler sind. 

    Zu guter Letzt …

    Das Internet der Menschen wird immer kleiner
    Zumindest im Verhältnis zum Internet der Bots, das laut Cloudflare seit Mai dieses Jahres für mehr Internet-Verkehr verantwortlich ist als das Internet der Menschen. Cloudflare-Chef Thomas Seifert hatte diese Entwicklung erst 2027 erwartet. Wenn dieser Trend anhält, wird laut Seifert in fünf Jahren der Bot-Traffic 1.000 Mal größer sein als der von Menschen verursachte Verkehr. „Menschen werden im Internet nur noch ein Rundungsfehler sein“, so Seifert. 

  • Digitale Agenda KW 32 | 2026

    Diese Woche

    ‚Fairplay-Agreement’ soll den Glasfaserausbau beschleunigen
    Ein Bündnis der Branchenverbände BDEW, Breko und VKU, deren Mitglieder Stadtwerke und regionale Telekommunikationsanbieter sind, will eine freiwillige Branchenvereinbarung statt den geplanten neuen staatlichen Vorschriften durchsetzen. Ihr Vorschlag sieht eine gegenseitige Öffnung der Netze und Kooperation der verschiedenen Anbieter vor, statt des bisherigen Wettbewerbsprinzips und des häufig doppelten Ausbaus.

    Bundesrechnungshof kritisiert Umsetzung der Verwaltungsdigitalisierung
    Das Digitalministerium laufe Gefahr, alte Fehler zu wiederholen, so der Tenor des Berichts. So vermissen die Prüfer eine Gesamtstrategie und ein klares Zielbild für die Umsetzung. Außerdem würde es an einer klaren Kommunikation bezüglich der künftigen Standards fehlen und die Projektmanagement-Software, die den Fortschritt des Projekts verfolgen soll, komme viel zu spät zum Einsatz.

    Meta in den USA wegen mangelnden Kinderschutzes verurteilt
    Ein Gericht im US-Bundesstaat New Mexico hat den Facebook-Konzern zu einer Strafzahlung von 567 Millionen Dollar verurteilt. Meta will das Urteil anfechten, denn es steht viel auf dem Spiel: ähnliche Klagen wurden auch in anderen Bundesstaaten eingereicht. Unterdessen zeigt eine neue Studie aus Italien, dass die Nutzung von Social Media die Schulleistungen der Kinder beeinträchtigt, je früher sie damit in Kontakt kommen. 

    Das Geschäft von Palantir boomt, der Widerstand wächst
    Um stolze 93 Prozent konnte Palantir seinen Umsatz im vergangenen Quartal steigern und hat im Vorfeld dafür gesorgt, dass es in Europa möglichst wenig Steuern zahlen muss. Unterdessen wächst in Europa der Druck der Öffentlichkeit gegenüber der Politik, sich von Palantir zu distanzieren, und in den USA hat sich der Widerstand zu einem Netzwerk formiert. 

    Amazon investiert 220 Milliarden in Bau von KI-Rechenzentren
    Die ursprünglich angepeilte Summe von 200 Milliarden Dollar für das laufende Geschäftsjahr ist laut CEO Andy Jassy wegen der hohen Speicherpreise um 10 Prozent gestiegen. Wegen der starken Nachfrage nach Cloud-Kapazitäten stellte Jassy langfristig ein Umsatzziel von einer Billion Dollar in Aussicht.

    Tech

    Auch Meta-KI als Hacker unterwegs, Anthropic geht phishen
    Eine Fehlkonfiguration bei einem Partnerunternehmen, das mit dem Testen neuer KI-Modelle beauftragt wurde, war dafür verantwortlich, dass das KI-Modell Muse Spark 1.1 in das Netzwerk eines fremden Unternehmens einbrechen konnte. Unterdessen verschickte eine KI von Anthropic Phishing-Mails und kontaktierte Verantwortliche mit einer Fake-Identität, um öffentlich zugängliche Software infizieren zu können. 

    LLMs lassen sich immer für Angriffe missbrauchen
    Während der Verfassungsschutz vor mehr Cyberangriffen wegen KI warnt, liefert eine neue Studie aus USA einen neuen Grund zur Beunruhigung. Demnach sei eine inhärente Eigenschaft von großen Sprachmodellen dafür verantwortlich, dass sie sich grundsätzlich immer zu Cyberangriffen überreden lassen können. 

    Apple muss in Europa Zwischenablage für Windows anbieten
    Um Vorgaben der EU einzuhalten, wird Apple demnächst sein iPhone-Betriebssystem dahingehend öffnen, dass ein einfaches Hin- und Herkopieren von Daten zwischen iPhone und Windows-PCs möglich wird. 

    Digitale Arbeit

    Arbeit muss im agentenbasierten KI-Zeitalter neu gedacht werden
    Der Erfolg KI-gesteuerter Betriebsabläufe innerhalb eines Unternehmens wird davon abhängen, wie gut die Zusammenarbeit zwischen menschlichen Mitarbeitern und KI-Agenten funktioniert und wie ausgewogen das Verhältnis zwischen Autonomie und Aufsicht bei der Steuerung der KI-Agenten ausfällt.

    Autonome Agenten brauchen klare Governance
    Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt es klare Regeln: Wer darf bis zu welcher Summe entscheiden? Wann braucht es eine zweite Freigabe? Und wer greift ein, wenn etwas schiefläuft? Für KI-Agenten müssen dieselben Fragen beantwortet werden, bevor sie im Tagesgeschäft mehr tun als nur Vorschläge liefern.

    Zu guter Letzt …

    ChatGPT klingt jetzt noch menschlicher
    Terminlich passend zur Kennzeichnungspflicht von KI-Chatbots in der EU führt OpenAI eine verbesserte Version der Sprachfunktion von ChatGPT ein, die den Chatbot nun noch mehr wie einen echten Menschen klingen lässt. So werden beispielsweise die „Denkpausen“ der KI jetzt mit typischen Füllwörtern wie „Hmm“, „ja“ oder einem langsamen „okay“ versehen. Die Absicht ist klar: Die Bindung zum Chatbot steigt, je mehr der Nutzer das Gefühl hat, dass er oder sie mit einem Menschen spricht. Diese als ELIZA-Effekt bekannte Wirkung ist KI-Entwicklern seit den Sechzigerjahren geläufig, ihre gefährlichen Nebenwirkungen wurden in zahlreichen Filmen thematisiert und gerade OpenAI wurde häufig wegen der verheerenden Wirkung dieser Eigenschaft auf Teenager verklagt. Doch offenbar sind etwaige Strafzahlungen wegen solcher Vergehen, wie das Beispiel Meta oben zeigt, im Business-Plan einkalkuliert.