Digitale Agenda Die Nachrichten der Woche aus der digitalen Welt, jeden Freitag Nachmittag.

  • Digitale Agenda KW 11 | 2026

    Diese Woche

    EU-Parlament weist freiwillige Chatkontrolle in die Schranken
    Das EU-Parlament hat sich deutlich gegen eine massenhafte Überwachung der Messenger-Kommunikation ausgesprochen, selbst wenn sie von den Plattformbetreibern freiwillig durchgeführt wird. Das Scannen soll sich auf begründete Verdachtsfälle beschränken. Nun stehen Verhandlungen mit der EU-Kommission an.  

    Britisches Parlament spricht sich gegen Social-Media-Verbot aus
    Eine Initiative des britischen Oberhauses (House of Lords), ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren einzuführen, wurde im Unterhaus deutlich abgelehnt. Unterdessen führt Indonesien als erstes asiatisches Land ein Verbot ab Ende März ein.

    Berlin führt KI-Videoüberwachung am Abgeordnetenhaus ein
    Auch am Roten Rathaus und an der Senatsverwaltung sollen Kameras das Geschehen auf der Straße aufnehmen und das Verhalten der Menschen KI-gestützt auswerten – zum Leidwesen einiger Abgeordneter, die sich wie Versuchskaninchen vorkommen. Der Widerstand gegen solche Maßnahmen nimmt derweil Gestalt an. 

    Anthropic verklagt US-Regierung
    Der KI-Hersteller zieht vor allem gegen die Begründung seines Rauswurfs aus allen US-Behörden vor Gericht, nämlich dass seine KI Claude ein Sicherheitsrisiko sei. Der Pentagon-Deal von OpenAI zieht derweil weiter Kreise. Nach der massenhaften Kündigung von ChatGPT-Accounts durch die Nutzer verlässt auch die Robotics-Chefin von OpenAI unter Protest das Unternehmen. 

    Computerkauf nur noch gegen Registrierung?
    Der Finanzjournalist und Blogger Norbert Häring wurde von Lesern auf die Praxis von MediaMarktSaturn aufmerksam gemacht, nach der der Retailer beim Verkauf eines Computers die Registrierung der Personalien des Käufers verlangt. Laut Konzern dient die Maßnahme der Betrugs- und Missbrauchsprävention. 

    Tech

    Wie KI im Krieg gegen Iran eingesetzt wird
    KI spielt im Krieg gegen Iran vor allem bei der Identifizierung von Zielen eine wesentliche Rolle. Gleichzeitig verkürzt sie Entscheidungswege und erhöht die Fehlertoleranz. Ob ein solcher Fehler auch beim Angriff auf eine iranische Grundschule, dem mehr als 100 Kinder zum Opfer fielen, auch im Spiel war (und wie genau) hat eine KI-Forscherin untersucht. 

    Microsoft stellt Verwaltungsplattform für KI-Agenten vor
    Im neuen Release von Microsoft 365 (E7) baut Microsoft die KI-Funktionalität seines Copilot massiv aus und führt eine Multi-Modell-Strategie ein, bei der Copilot automatisch zwischen verschiedenen KI-Modellen wählt. Mit im Paket sind auch eine Variante von Anthropic Claude Cowork sowie Agent 365, eine zentrale Verwaltungsplattform für KI-Agenten.

    Apples Billig-Notebook Neo könnte ein Game-Changer werden
    Ein Mac-Notebook im Alu-Gehäuse für 699 Euro – kann das gut gehen? Der Spiegel hat den neuen PC getestet und kommt zum Schluss, dass Neo der wichtigste Apple-Rechner seit dem iMac werden könnte. 

    Digitale Arbeit

    Was KI in der Software-Entwicklung leisten kann – und was nicht
    KI-Tools machen Developer produktiver, zumindest was den Output von Code betrifft. Doch die Produktivitätssteigerung auf der individuellen Ebene nutzt Unternehmen nicht viel, solange sie ihre Entwicklungsprozesse nicht neu justieren. 

    Massenentlassungen bei Oracle betreffen auch Entwickler
    Medienberichten und Analysten zufolge will Oracle weltweit 30.000 Stellen abbauen, um den Bau seiner KI-Rechenzentren zu finanzieren. Betroffen sind auch Entwickler, deren Arbeit nun KI-Tools übernehmen sollen. Unterdessen hat Amazon gerade mit Ausfällen zu kämpfen, die scheinbar KI-erzeugter Code verursacht haben soll. 

    Zu guter Letzt ...

    Facebook krallt sich Moltbook – und eine „Datenschützerin“
    Während auf Facebook (angeblich) nur Menschen kommunizieren, wurde Moltbook als Plattform entwickelt, auf der (angeblich) nur KI-Agenten sich untereinander austauschen. Nun hat Meta Moltbook gekauft, um zu erkunden, „wie KI-Agenten für Menschen und Unternehmen aktiv sein können“. Gleichzeitig wechselt die ehemalige Datenschutzbeauftragte von Irland zu einer Anwaltskanzlei, die Meta in Verfahren gegen ihre Behörde vertreten hat. In ihrer früheren Rolle war sie nicht gerade durch Härte gegenüber Meta aufgefallen. 

  • Digitale Agenda KW 10 | 2026

    Diese Woche

    KI für den Krieg
    Claude raus, ChatGPT rein: Kurz nachdem das Ultimatum der Regierung Trump an Anthropic, die ethischen Schranken seiner KI-Modelle für den Militäreinsatz abzuschalten, ohne Einlenken von Anthropic verstrichen war, wurde Claude von allen Bundesbehörden verbannt und OpenAI als neuer KI-Lieferant des Pentagon vorgestellt – unter heftigem Protest der ChatGPT-Nutzerbasis. Allerdings enthält auch der Vertrag mit OpenAI die gleichen ethischen Klauseln wie der von Anthropic. Ob der Wechsel etwas mit einer 25-Millionen-Spende an Trumps Wahlkampforganisation zu tun hat oder ob es im Vertrag mit OpenAI Klauseln gibt, nach denen das Pentagon die ethischen Schranken abschalten kann, darüber darf spekuliert werden. 

    Ausschluss des EU-Parlaments stimmt gegen freiwillige Chatkontrolle
    Die Mitglieder des Justizausschusses im EU-Parlament konnten sich nicht darüber einigen, ob das Gesetz über die freiwillige Chatkontrolle zu weit geht oder nicht weit genug. Nachdem die verpflichtende Chatkontrolle gescheitert war hatten sich EU-Kommission und EU-Rat auf eine Verlängerung der freiwilligen Chatkontrolle verständigt. 

    Starlink soll die Funklöcher der Telekom schließen
    Auf dem Mobile World Congress in Barcelona kündigten die beiden Unternehmen ihre Kooperation an, die ab 2028 operativ sein soll. Starlink arbeitet außerdem an einem Mobilfunkdienst, der 5G-ähnliche Bandbreiten über Satellit anbieten soll.

    OpenAI sichert Finanzierungsrunde von 110 Milliarden Dollar
    Den Löwenanteil trägt diesmal Amazon mit 50 Milliarden Dollar, Nvidia und Softbank sind mit jeweils 30 Milliarden dabei. Ursprünglich hatte Nvidia vor, 100 Milliarden zu investieren, aber angeblich kollidierte dies mit dem Plan von OpenAI, demnächst an die Börse zu gehen.

    Tech

    Telekom integriert KI-Assistenten in Telefonnetz
    Der Chatbot der Telekom wird „Magenta AI Call Assistant“ heißen und Kunden sollen ihn mit jedem Gerät hinzuschalten können, Gespräche in Echtzeit zu übersetzen, sie zusammenfassen oder „Fragen aller Art“ zu beantworten. Der Dienst soll dieses Jahr im Mobilfunknetz live gehen, das Festnetz soll kurz darauf folgen.

    Zusammenarbeit von Mensch und Maschine soll sicherer werden
    Mehrere Fraunhofer-Institute haben in Kooperation die Plattform NeurOSmart entwickelt, die ein sicheres Zusammenspiel zwischen Menschen und Industriemaschinen ermöglichen soll. Dazu überwacht das KI-gestützte System mithilfe von Lidar-Lasern den Arbeitsbereich, den sich Mensch und Maschine bei der Zusammenarbeit teilen. 

    KI setzt neue Akzente in der Compliance
    Die KI-Verordnung der EU in Verbindung mit der reformierten Produkthaftung macht Unternehmen haftbar, wenn der Einsatz von KI in ihren Business-Anwendungen als missbräuchlich befunden wird. Die Beweislast für das Gegenteil liegt bei den Unternehmen.

    Digitale Arbeit

    Frauen sind in IT-Berufen immer noch unterrepräsentiert
    Die Ursache steckt offenbar in den Köpfen der Manager: Laut einer neuen Umfrage des Bitkom sind die Verantwortlichen in 43 Prozent der Unternehmen der Ansicht, dass Männer für Digitalberufe besser geeignet sind. Hürden beim Wiedereinstieg nach der Babypause tun ihr Übriges.  

    KI definiert die Rolle des CIO neu
    Der Begriff „IT“ beschreibt die künftigen Erwartungen an den CIO und seine Organisation nur unzureichend. Verlangt wird vom CIO eher Enterprise Technology Leadership. Unter „IT“ sieht die Unternehmensführung momentan nur Ausführende, gefragt sind aber kreative Gestalter. 

    Zu guter Letzt ...

    Videos der Meta-Brille landen in Afrika – fürs KI-Training
    Für das Training seiner KI-Modelle nutzt Meta eine Reihe von Dienstleistern, die wiederum Arbeitskräfte in Billiglohnländern beschäftigen. Deren Job: Die Kategorisierung von Inhalten (Tagging), damit KI-Modelle die Inhalte richtig einordnen können. Wie skandinavische Medien herausgefunden haben, gehören zu diesen Inhalten auch Videos, die mit der Datenbrille des Meta-Konzerns aufgenommen wurden und zum Teil ihre Nutzer bei sehr intimen Tätigkeiten zeigen. Die Brille soll demnächst übrigens auch Gesichtserkennung beherrschen. Immerhin gibt es inzwischen auch Apps, die Smart Glasses in der Nähe aufspüren.

  • Digitale Agenda KW 09 | 2026

    Diese Woche

    Ob mit oder ohne Palantir – der Überwachungsstaat rüstet auf
    In Sachsen-Anhalt ist der Einsatz von Palantir vorerst vom Tisch, in Brandenburg will Innenminister Wilke Palantir noch nicht als Lieferanten ausschließen. Unterdessen setzen die meisten Bundesländer (z.B. Sachsen und Niedersachsen) in ihren neuen Polizeigesetzen auf Verhaltensscanner, verdeckte Kennzeichenerkennung und automatisierte Datenanalyse à la Palantir, während die EU-Kommission um eine Aufweichung der DSGVO verhandelt.

    Google will für die EU die Darstellung seiner Suchergebnisse ändern
    Um eine Strafzahlung wegen Benachteiligung der Konkurrenz zu umgehen, will Google eine Reihe von Änderungen für seine Suchergebnisse zu Reisen und Restaurants einführen. In der neuen Darstellung sollen die eigenen Angebote gleichberechtigt neben denen der Konkurrenzunternehmen stehen.

    Pentagon stellt Anthropic ein Ultimatum
    Pete Hegseth, der sein Verteidigungsministerium letztes Jahr in „Kriegsministerium“ umbenannt hat, hat laut einem Medienbericht Anthropic eine Frist bis zum heutigen Freitag gesetzt, um für den militärischen Einsatz seiner KI-Modellen seine Sicherheitsbeschränkungen zu lockern.

    Meta kauft KI-Prozessoren bei AMD
    Der Facebook-Konzern hat mit AMD die Lieferung von KI-Prozessoren mit einem Gesamtenergieverbrauch von 6 Gigawatt vereinbart. Nach heutigen Prozessorpreisen entspricht das eine Investition von etwa 60 Milliarden Dollar. 

    Apple führt Altersverifizierung für seinen App Store ein
    App-Anbieter werden künftig in mehreren Ländern eine Altersüberprüfung für den Download von Apps einführen können – weil es dort von den lokalen Gesetzen verlangt wird. Unterdessen haben mehrere Kinderschutzorganisationen und der Lehrerverband Zweifel an der praktischen Sinnhaftigkeit von Social-Media-Verboten geäußert. 

    Tech

    Microsoft will europäischen Firmen mehr Souveränität bieten
    Auf seiner AI Tour durch Europa stellte Microsoft-CEO Satya Nadella drei Souveränitäts-Updates sowie eine National Partner Cloud vor. Mitunter können Azure-Kunden Anwendungen komplett entkoppelt betreiben und auch Microsoft 365 ist jetzt auch ohne Cloud-Anbindung möglich. 

    Samsung setzt bei neuer Smartphone-Serie voll auf KI-Features
    Bis auf ein neues Display, das neugierige Blicke abwendet, beinhaltet die neue S26-Serie keine großen Neuerungen bei der Hardware. Dafür gibt es eine Integration von Perplexity als Ergänzung zum hauseigenen KI-Assistenten Bixby und noch einige weitere KI-Features.

    Heimliches Fahrzeug-Tracking über den Reifendruck
    Ein Forschungsteam hat die in vielen Autos verbauten Reifendruckkontrollsysteme auf Spionagemöglichkeiten untersucht und festgestellt, dass Angreifer das System nutzen können, um Fahrzeuge zu orten – auch in Garagen.

    Digitale Arbeit

    Accenture sanktioniert die Nicht-Nutzung von KI
    Einem Bericht der FT zufolge hat Accenture damit begonnen, die Nutzung interner KI-Tools zu messen und die Beförderung ihrer Manager an der Nutzung dieser Tools zu knüpfen. Die Maßnahme soll sicherstellen, dass auch altgediente Führungskräfte mit der technischen Entwicklung Schritt halten. 

    Was genau ist Context Engineering?
    Context Engineering soll zuverlässigere und effizientere KI-Systeme hervorbringen, die ihre eigenen Datenflüsse managen. Context-Systeme bestimmen, welche Informationen ein KI-Modell „sieht”, bevor es eine Antwort auf Benutzer-Input generiert.

    Zu guter Letzt ...

    Der Beitrag von KI am US-Wirtschaftswachstum 2025: Null
    Das KI-Wunder blieb letztes Jahr aus: Entgegen aller Versprechungen der Regierung Trump ist die US-Wirtschaft letztes Jahr nur um 2,2 Prozent gewachsen. Entsprechend beziffern Analysten von Finanzinstituten wie Morgan Stanley, JPMorgan Chase oder Goldman Sachs den Beitrag von KI am Wirtschaftswachstum der USA auf „im Grunde Null“ ($). Als Konsequenz hat nun Goldman Sachs einen Aktienindex eingeführt, der zwar den S&P 500 widerspiegelt, dabei aber auf alle KI-bezogenen Unternehmen verzichtet – um „die durch den KI-Hype verursachten Verzerrungen zu eliminieren“.