Digitale Agenda Die Nachrichten der Woche aus der digitalen Welt, jeden Freitag Nachmittag.

  • Digitale Agenda KW 26 | 2026

    Diese Woche

    Industrie richtet sich auf dauerhaft hohe Speicherpreise ein
    Langfristige Verträge der Speicherhersteller mit Großkunden sorgen dafür, dass Speicherpreise auf absehbare Zeit hoch bleiben. Das hievt einerseits Firmen wie Micron oder SK Hynix zur Gruppe der wertvollsten Unternehmen weltweit, hat aber Auswirkungen auf die Preise von Endgeräten. Apple erhöht die Preise für bestehende Macbook– und iPhone-Modelle deutlich, der britische Smartphone-Anbieter Nothing verzichtet komplett auf die Einführung eines neuen Modells in diesem Jahr. 

    Deutsches Social-Media-Verbot für Jugendliche ist vom Tisch
    Nach massiven Protesten von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Industrieverbänden ist Familienministerin Prien von einem pauschalen Social-Media-Verbot für Jugendliche, das über Alterskontrollen durchgesetzt wird, abgerückt. Stattdessen orientiert sich sich nun an die Empfehlungen ihrer Expertenkommission und ihrer Fraktion und strebt eine europäische Regelung an, die eine Mindestaltersgrenze von 13 Jahren vorsieht und Social-Media-Plattformen in die Pflicht nimmt. Australiens Social-Media-Verbot hat sich unterdessen als völlig unwirksam erwiesen. 

    Digitaler Euro nimmt erste Hürde im EU-Parlament
    Der Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments hat den Weg zur Einführung des digitalen Euro freigemacht. Voraussetzung war die Einhaltung eines Maximums an Datenschutz, das den D€ zu einer Alternative zu Bargeld und günstiger als private Dienstleister wie PayPal machen soll. Gleichzeitig soll Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel gestärkt werden. Nun sollen die Details zwischen EU-Kommission, EU-Rat und EU-Parlament ausgehandelt werden.  

    Neues Energieeffizienzgesetz erleichtert Bau neuer Rechenzentren
    Ein neuer Entwurf des Energieffizienzgesetzes stutzt die Anforderungen des bisherigen Gesetzes auf die Vorgaben der EU zurück und verdoppelt die Übergangsfrist für neue Rechenzentren auf vier Jahre. Der Bitkom sieht im Entwurf gute Ansätze, bemängelt aber die Praxistauglichkeit vieler Vorgaben, die nun „verschlimmbessert“ wurden.

    Nachfolger der aktuellen Datenschutzbeauftragten steht fest
    Moritz Hennemann wurde als Nachfolger von Louisa Specht-Riemenschneider vom Bundestag bestätigt. Er ist Professor für Zivilrecht, Informationsrecht, Medienrecht und Internetrecht an der Universität Freiburg und gilt als wirtschaftsliberal und Verfechter einer „Datenrealpolitik“, die Daten als Wirtschaftsgut betrachtet. 

    Tech

    Der weltweit schnellste Supercomputer steht nun in China
    LineShine heißt das von Huawei am National Supercomputing Center in Shenzhen (NSCCSZ) aufgebaute System und ist mit 2,198 Exaflops deutlich schneller als der bisherige Spitzenreiter El Capitan (1,809 Exaflops). Die Besonderheit: Das System wurde ausschließlich mit chinesischen Prozessoren aufgebaut. 

    Microsoft und BKA nehmen Hunderte Malware-Server vom Netz
    Laut BKA konnten in einer koordinierten Aktion mehr als 340 Command-and-Control-Server abgeschaltet werden, davon 40 in Deutschland. Maßgeblich für den Erfolg war eine Analyse des Schadcodes mittels KI, deren Erkenntnisse eine weltweite Koordinierung der Aktion ermöglichten.

    Telekom und Palo Alto bringen souveräne SecOps-Lösung
    „Sovereign Cortex with T Security“ basiert auf der SecOps-Plattform von Palo Alto Networks und wurde mit Kontrollen zur Datensouveränität ausgestattet, die von der Deutschen Telekom durchgeführt und verwaltet werden. Sie ist vor allem für stark regulierte Branchen wie Gesundheitswesen, Finanzdienstleistung, den öffentlichen Sektor und die kritische Infrastruktur gedacht. 

    Digitale Arbeit

    Meta setzt Mitarbeiter-Tracking aus
    Der Facebook-Konzern war einer der ersten, der Stellen wegen KI abgebaut hatten, und ist inzwischen berüchtigt für den rigorosen KI-Einsatz im Bereich Arbeit. Nun wurde jedoch das Mitarbeiter-Tracking zum Training von KI-Algorithmen ausgesetzt, weil private Unterhaltungen sowie Daten zu Personen und deren Leistung intern für mehr Mitarbeiter zugänglich waren, als ursprünglich vorgesehen.

    Chinesische eCommerce-Plattform will Hunderttausende Mitarbeiter umschulen
    Das als „chinesisches Amazon“ geltende JD beschäftigt rund 700.000 Menschen. Da die Tätigkeit der meisten langfristig von Robotern übernommen werden soll, plant JD die Umschulung der meisten zu Büromitarbeitern oder Personal, das sich um die Wartung und Reparatur der Roboter kümmern soll. 

    Zu guter Letzt …

    Mit KI-Börsengängen sieht es wohl doch nicht so rosig aus
    Nach der anfänglichen Euphorie ist die Aktie von SpaceX, das immerhin mit der Vermietung von Rechenkapazitäten Milliarden umsetzt, auf einen Wert unterhalb des Ausgabepreises gerutscht. Das dürfte mit ein Grund sein, warum OpenAI seinen Börsengang auf nächstes Jahr verschieben will, obwohl es bereits seine Unterlagen bei der Börsenaufsicht eingereicht hatte. Kenner der Szene wie der KI-Experte und GenAI-Kritiker Gary Marcus hören bereits aus der Richtung der KI-Blase ein leises Pfffffffft

  • Digitale Agenda KW 25 | 2026

    Diese Woche

    US-Regierung stoppt Mythos ‚im Interesse der nationalen Sicherheit‘
    Unter Berufung auf die nationale Sicherheit wies die US-Regierung Anthropic an, seine neuesten Modelle Fable 5 und Mythos 5 für Nicht-US-Bürger zu sperren, worauf Anthropic sich gezwungen sah, die Modelle komplett von Netz zu nehmen. Als mögliche Gründe für die Entscheidung der US-Regierung werden seitdem gehandelt:
    Ein Hinweis von Amazon-Chef Andy Jassy, dass man die Modelle kompromittieren kann.
    → Ein unerlaubter Zugriff von China auf Mythos.
    → Die US-Regierung wollte ausländische Unternehmen davon abhalten, Sicherheitslücken in ihrer Software zu reparieren.
    In Deutschland wird dadurch die Gefahr der Abhängigkeit von US-Software und die Notwendigkeit der Schaffung von Alternativen abermals deutlich.

    Niederlagenserie für Palantir
    Die massive öffentliche Kritik zwingt langsam europäische Politiker, umzudenken: Frankreichs Inlandsgeheimdienst beendet die Zusammenarbeit mit mit Palantir, in Großbritannien steht die Zusammenarbeit mit dem nationalen Gesundheitssystem auf der Kippe und NRW-Innenminister Reul fordert eine europäische Alternative zur Palantir-Software. Diese könnte es als Resultat einer Kooperation zwischen Celonis und Deepset geben. Palantir verliert außerdem ein Gerichtsverfahren gegen ein Schweizer Magazin, während Gründer Alex Karp sich eine Villa in Lichtenstein bauen lässt.

    Deutsche Firmen bereit zu Abstrichen zugunsten digitaler Souveränität
    Laut der neuen Ausgabe des Cloud-Monitors des Bitkom wären 37 Prozent der befragten Unternehmen bereit, Nachteile wie weniger Funktionen oder höheren Kosten hinzunehmen, um Cloud-Dienste zu nutzen, die Daten ausschließlich in Deutschland verarbeiten.

    Massive Kritik gegen Medizinregistergesetz im Bundestag
    Der Gesundheitsausschuss beanstandet, dass der Gesetzentwurf der Bundesregierung den Datenschutz beschränkt, das Widerspruchsrecht beschneidet und die Grundrechte der Patienten gefährdet. Ein Änderungsvorschlag der Grünen findet die Zustimmung der Bundesdatenschutzbeauftragten.

    EU-Parlament beschließt Verbot von sexualisierten Deepfakes
    Das EU-Parlament stimmte mit großer Mehrheit für einen Änderungsvorschlag im KI-Gesetz, der sexualisierte Deepfakes unter Strafe stellt. Nur satirische Karikaturen sollen ausgenommen bleiben. 

    Tech

    SpaceX übernimmt Programmier-Tool Cursor
    Die Übernahme der KI-Softwarefirma Anysphere war bereits vor dem Börsengang von SpaceX beschlossen, nun ist sie offiziell unterzeichnet worden. Der Preis liegt bei 60 Milliarden Dollar, den die Investoren von Anysphere in Form von SpaceX-Aktien bekommen. 

    DeepSeek bereit zum Sprung ins internationale Geschäft
    Das chinesische KI-Startup hat Medienberichten zufolge eine größere Finanzierungsrunde abgeschlossen und gewinnt immer mehr Fürsprecher außerhalb Chinas. Auch Microsoft will angeblich dessen Modelle im neuen KI-Assistenten „Copilot Cowork“ einsetzen.

    Rahmenwerk für die Implementation digitaler Souveränität
    Während die meisten deutschen Unternehmen KI-Anwendungen souverän betreiben wollen, zeigt eine neue Studie von IBM, dass sie ihre Abhängigkeit in Sachen KI nicht nur massiv unterschätzen, sondern dass sie ihre Abhängigkeiten kaum kennen. Dieses Rahmenwerk könnte etwas Licht ins Dunkel bringen.

    Digitale Arbeit

    KI eliminiert klassische Karrierepfade – und schafft neue
    KI verändert traditionelle berufliche Werdegänge grundlegend, eröffnet aber neue Möglichkeiten. Während Selbstständigkeit für Berufseinsteiger zur realistischen Alternative wird, müssen Unternehmen neue Wege gehen, um ihr Know-how zu sichern.

    Wer überwacht eigentlich die Arbeit von KI-Agenten?
    Die Einführung von KI bringt neuartige Arbeitsweisen, aber auch neue Fehlerquellen mit sich. Damit wachsen die Anforderungen an Zuverlässigkeit und Resilienz und bleiben gleichzeitig zentrale Herausforderungen im IT-Betrieb, einschließlich DevOps, ITOps und AIOps.

    Zu guter Letzt …

    Digitalminister wegen KI-Nutzung in Erklärungsnot
    Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und das Handelsblatt haben in letzter Zeit Gastbeiträge von Karsten Wildberger veröffentlicht, die in weiten Teilen mit Hilfe von KI entstanden sind. Beide Zeitungen haben zunächst mit einer Depublizierung der Beiträge reagiert, im Handelsblatt ist der Beitrag wieder live. Nun versucht seine Pressesprecherin, die Sache zurechtzubügeln. 

  • Digitale Agenda KW 24 | 2026

    Diese Woche

    SpaceX legt erfolgreichen Börsenstart hin
    Sein Ziel, nämlich mit dem Börsengang 75 Milliarden frisches Kapital zu sammeln, hat SpaceX bereits am Vorabend des Börsenstarts erreicht. Mitverantwortlich dafür dürften die jüngst geschlossenen Deals mit Anthropic und Google sein, denen SpaceX KI-Rechenkapazitäten für insgesamt rund 25 Milliarden Dollar jährlich zur Verfügung stellt.

    Auch OpenAI reicht Unterlagen für Börsengang ein
    Der ChatGPT-Betreiber ist in Zugzwang, nachdem Anthropic bereits die Woche davor seine Unterlagen eingereicht hatte. Derweil verschärft sich der Wettbewerb gegen Anthropic und Google und OpenAI richtet sich auf einen Preiskampf gegen Anthropic ein, während letzterer es sich leisten kann, die Preise für sein neues Modell „Fable“ zu verdoppeln. 

    Bundesregierung gründet Institut für KI-Sicherheit
    Das neue Institut soll die Analysen und Risikobewertungen neuer KI-Modelle bündeln, sich mit ausländischen Instituten austauschen und auf einheitliche Standards mit internationalen Partnern hinwirken. Solche Einrichtungen gibt es bereits in Großbritannien, Frankreich und den USA.

    EU veröffentlicht neue Strategie für Open Source
    Das Strategiepapier ist Teil des Gesetzespakets für digitale Souveränität und hebt die Rolle offener Technologien zur Verringerung der Abhängigkeit von ausländischen Anbietern hervor. Das Papier enthält jedoch wenig Verbindliches und die Open-Source-Community ist mit der bisherigen finanziellen Unterstützung von Projekten alles andere als zufrieden. 

    Auch der Ethikrat positioniert sich gegen Alterskontrollen
    Zum Thema Jugendschutz im Netz hat der Deutsche Ethikrat eine Ad-hoc-Stellungnahme mit 13 Empfehlungen verfasst. Der Ethikrat hält darin nicht viel von einem gesetzlichen Mindestalter für Social Media, weil es lediglich einen Teil des Problems löst, dafür aber neue schafft.

    Tech

    Apple startet KI-Aufholjagd mit runderneuerter Siri
    Wie gut Apples digitale KI-Assistentin tatsächlich ist, werden die nächsten Wochen zeigen, doch zumindest erfolgte die Implementation gemäß Apples strenger Datenschutzstandards. Allerdings werden EU-Bürger auf die neue Siri noch warten müssen. Was es sonst neues auf dem Entwicklerkongress WWDC gab, erfahren Sie hier. 

    KI sorgt für eine Wiederbelebung von Intel
    Innovationen aus den eigenen Laboren lassen bei Intel noch auf sich warten, doch der ehemalige Marktführer profitiert von der starken Nachfrage nach KI-Chips. Unbestätigten Meldungen zufolge erhielt Intel jüngst Aufträge von Google und Nvidia. 

    Google muss für Zusammenfassungen haften
    Wenn die KI-Zusammenfassung in Googles Suche falsche Tatsachen verbreitet, muss Google dafür geradestehen, entschied das Landgericht München in einem wegweisenden Verfahren.

    Digitale Arbeit

    Die richtige Vorbereitung auf die KI-Arbeitswelt
    KI hat bereits heute dramatische Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt – und noch stehen wir am Anfang. Ein Interview mit einem Experten und der letzte Newsletter von ada liefern wichtigen Input für die richtige Vorbereitung auf die Arbeitswelt von morgen.

    Wie man sich als Entwickler auf Agentic Coding einstellen sollte
    Agentic Coding bietet eine Chance, bessere Software zu liefern, doch man sollte sich auf die Möglichkeiten der Tools richtig einstellen. 

    Zu guter Letzt …

    KI sorgt in den USA für Eklat vor Gericht
    Sowohl der Anwalt des Klägers als der des Verteidigers nahmen für den Prozess die Hilfe von KI wahr, um ihre Schriftsätze zu formulieren, versäumten es allerdings die darin aufgeführten „Fakten“ gründlich zu prüfen. Die Konsequenzen für beide Anwälte gingen über die Standpauke der Richter hinaus.