Digitale Agenda Die Nachrichten der Woche aus der digitalen Welt, jeden Freitag Nachmittag.

  • Digitale Agenda KW 36 | 2026

    Diese Woche

    Übernahme von Hugging Face durch Nvidia ist offiziell
    Knapp 13 Milliarden Dollar legt Nvidia für die KI-Entwicklerplattform auf den Tisch – und die Anwenderunternehmen fragen sich, wie unabhängig und neutral Hugging Face bleiben wird, auch wenn Nvidia Letzteres beteuert. Viele Analysten empfehlen Fallback-Alternativen. 

    Deutschland bekommt ein KI-Sicherheitsinstitut
    Das deutsche AI Safety Institute (AISI Deutschland) soll risikobehaftete Systeme evaluieren und dafür sorgen, dass die Chancen und Gefahren fortschrittlicher KI-Modelle systematisch bewertet werden. Den betrieblichen Nukleus des Instituts bilden das BSI und die Bundesnetzagentur. Dass der Sitz des Instituts in Berlin ist, stößt allerdings nicht nur auf Gegenliebe. 

    Polizei überwacht schon seit Jahren Messenger-Kommunikation
    Das geht aus einem Dokument des Zollkriminalamts hervor, das Netzpolitik nun veröffentlicht hat. Zur Überwachung richten die Ermittler einen zweiten Zugang über einen Web-Client oder über den PC-Client des jeweiligen Messengers ein. Die Methode bewegt sich allerdings in einem rechtlichen Graubereich. 

    Palantir-Chef investiert in ukrainisches Drohnen-Start-up
    Alex Karp ist der erste große Investor in das Start-up des geschassten ukrainischen Verteidigungsministers Mykhailo Fedorov. Karp ist überzeugt, dass Fedorovs Firma es schaffen wird, „ihr Wissen und ihren Scharfsinn für Kriegskunst als Produkt in verbündete Länder“ zu bringen.

    Geheimdienstreform bedroht das Patientengeheimnis
    Laut Gesetzentwurf dürfen die Geheimdienste keine Informationen abgreifen, die zwischen den beobachteten Personen und ihren Geistlichen, Anwälten und Bundestagsabgeordneten geteilt werden, Ärzte werden aber nicht erwähnt. Der Justiziar der Bundesärztekammer sieht dadurch das Patientengeheimnis gefährdet.

    Tech

    OpenAI stellt GPT-6 Astra vor
    Astra schneidet in Benchmark-Tests besser ab als Anthropics zuletzt vorgestellten Modelle und ist das erste, das OpenAI selbst unter seinem Preparedness Framework für IT-Sicherheit als kritisch einstuft.
    Unterdessen hat die EU-Kommission ChatGPT (wie auch Reddit und Roblox) unter strengerer Beobachtung gestellt, weil die Plattform eine kritische Nutzerzahl erreicht hat und deshalb beim Jugendschutz oder der Bekämpfung rechtswidriger Inhalte das Gesetz über digitale Dienste (DSA) beachten muss.

    Wie Unternehmen KI-Risiken minimieren können
    Wie sollen Unternehmen mit Risiken umgehen, die sich aus dem Umgang ihrer Mitarbeiter mit KI ergeben? Einige interessante Gedanken und Best Practices dazu von einem hochrangigen Manager von Zoho. 

    Muss KI unbedingt so viele Ressourcen verbrauchen?
    Während der Widerstand gegen neue KI-Rechenzentren auch hierzulande wächst, wirft Fraunhofer in einem Blogbeitrag einen Blick auf Green AI und die oft vernachlässigten Umweltauswirkungen KI.

    Digitale Arbeit

    Worauf es beim Zusammenspiel Mensch-KI ankommt
    Strategischer KI-Einsatz erfordert eine neue Denkweise – nicht mehr um Stellenbeschreibungen herum, sondern mit den geforderten Fähigkeiten (Skills) im Mittelpunkt. Dieses Umdenken ist Voraussetzung dafür, dass KI gezielt dort eingesetzt wird, wo sie tatsächlich produktiv ist, statt überall nur präsent zu sein.

    Wie kann man das Fachwissen der künftigen Renter sichern?
    Das meiste Wissen in einem Unternehmen steckt immer noch in den Köpfen der Mitarbeiter, und die Babyboomer sind bereits in Rente oder werden es demnächst sein. Das Fraunhofer IAO hat eine Blogreihe über Methoden zur Rettung ihres Wissensschatzes gestartet.

    Zu guter Letzt …

    Für US-Bürger gibt es keinen Lake Ontario mehr
    Der See im Norden der USA, der eine natürliche Grenze zu Kanada bildet, heißt jetzt für Amerikaner auf Google Maps „Lake America“, so wie Donald Trump es beschloss. Google wäscht sich derweil die Hände in Unschuld, denn es übernehme ja nur den Namen, der im offiziellen geografischen Namensregister der USA steht. Nur gut, dass Googles KI noch weiß, wie der Fachbegriff für das Sichanbiedern bei allzu selbstherrlichen Politikern lautet.
    Übrigens: Apple ist auch nicht viel besser. 

  • Digitale Agenda KW 35 | 2026

    Diese Woche

    Vergleiche bewahren Meta und TikTok vor Verurteilung
    Im Verfahren mehrerer US-Bundesstaaten gegen Meta wegen möglicher Gefahren durch soziale Medien für Kinder haben sich die beiden Parteien auf eine Strafzahlung von 16,7 Milliarden Dollar und die Einführung von Maßnahmen wie Zeitlimits und nächtlichen Zugangssperren geeinigt. TikTok und das US-Justizministerium einigten sich im Streit um ähnliche Vorwürfe auf eine Strafzahlung von 400 Millionen Dollar. 

    Berlin startet Projekt mit Verhaltensscannern
    30 Überwachungskameras, die mit einem KI-System verbunden sind, sollen über eine Verhaltensanalyse der Personen auf den Bildern für mehr Sicherheit am Kottbusser Tor sorgen. Weitere Plätze sollen folgen. Berlin ist die vierte Stadt nach Mannheim, Hamburg und Bremen, die Verhaltensscanner einsetzt, trotz des Vorwurfs des Verfassungsbruchs. In Bremen wurde das System einem Bericht zufolge nur angeschafft, weil der Bund 80 Prozent der Projektkosten übernahm. 

    KI-Branche dreht weiter am Milliardenrad
    Um den Aktienpreis bei seinem anstehenden Börsengang nach oben zu pushen, will Anthropic den für das Unternehmen verfügbaren Markt angeblich auf 30 Billionen Dollar beziffern. Zum Vergleich: das aktuelle Volumen des weltweiten IT-Markts liegt bei 14,4 Billionen Dollar. Möglicherweise ist der Grund für Anthropics Zuversicht die Aussicht auf staatliche Aufträge, denn sein Ausschluss aus dem US-Verteidigungsministerium hat ein Gericht gerade als rechtswidrig beurteilt. 

    Nvidia erhöht Server-Preise und will Hugging Face kaufen
    Medienberichten zufolge liegt die Kaufsumme für die unabhängige Plattform, über die derzeit rund 3.000 KI-Modelle heruntergeladen werden können, bei 13 Milliarden Dollar. Unterdessen sollen die Preise für Server demnächst um mehr als 15 Prozent steigen, angeblich wegen höherer Speicherpreise. 

    Wo Ihre Gesichtsscans für LinkedIn, OpenAI & Co. tatsächlich landen
    Die Verifizierung Ihrer Identität für populäre Internet-Plattformen und Handelsplätze wie Etsy wird in Wirklichkeit von einem Dienstleister namens Persona, in dem auch Palantir-Gründer Peter Thiel investiert hat. Personas Handhabung der gespeicherten Daten wirft einige Fragen auf.
    Beim neuen Datenaustauschabkommen zwischen EU und den USA sollen hingegen nach aktuellem Stand der Verhandlungen keine Gesichtsbilder an die USA übermittelt werden. 

    Tech

    Angriff von OpenAI auf Hugging Face hätte verhindert werden können
    Im Abschlussbericht des Vorfalls wird ersichtlich, dass die ersten Warnsignale im Mai von den OpenAI-Entwicklern ignoriert wurden. Stattdessen wurden einige Eigenschaften, die später zum Einbruch bei Hugging Face führten, im Training verstärkt. Eine Analyse dieses und ähnlicher Fälle offenbart, wie viel Unternehmen in Sachen KI-Sicherheit noch zu lernen haben.  

    Bill Gates fordert globale Behörde zur KI-Regulierung
    In einem neuen Blogbeitrag warnt der Microsoft-Gründer vor dem Gefahrenpotenzial für die Gesellschaft durch KI und fordert eine neue internationale Organisation zur KI-Regulierung, ähnlich den Abkommen zu Atomkontrollen oder zum Schutz der Ozonschicht. Hierzu will er demnächst auch mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping sprechen. 

    Robotaxis sollen auch Deutschland erobern
    München soll voraussichtlich ab Ende 2027 die erste Stadt in Deutschland sein, in der künftig Taxis ohne menschliches Personal fahren können. Die Google-Schwesterfirma Waymo will in den nächsten Wochen die ersten bemannten Fahrzeuge auf die Straße schicken, um die Algorithmen auf die Münchner Verkehrsverhältnisse zu trainieren. 

    Digitale Arbeit

    So lassen sich DSGVO-konforme KI-Workflows in der Praxis umsetzen
    Für Unternehmen sind Datenschutzfragen sind laut Bitkom das größte Hindernis bei der Implementierung von KI-Anwendungen. Doch das ist ein lösbares Problem, wie ein Experte erklärt. 

    Gamification ist längst im Arbeitsalltag angekommen
    Unternehmen nutzten spielerische Elemente etwa bei der Einarbeitung neuer Kollegen, für Schulungen oder zur Mitarbeiterbeteiligung. Doch Gamification wird in mehr Bereichen der Wirtschaft angewendet, als uns bewusst ist.

    Zu guter Letzt …

    Humanoider Roboter rennt schneller als schnellster Mensch
    Bei den World Humanoid Robot Games in China hat ein Roboter den Weltrekord von Usain Bolt über 100 Meter unterboten. Schön für den Hersteller, aber auf die zündende Idee für ein Produkt für den Massenmarkt wartet die Welt immer noch. 

  • Digitale Agenda KW 34 | 2026

    Diese Woche

    OpenAI und Anthropic bremsen bei der Entwicklung neuer Modelle
    OpenAI kann neue Sicherheitsvorfälle nicht ausschließen, Anthropic führt ähnliche Gründe an und will ein neues Modell vorerst nur intern einsetzen. Einige Kenner der Szene vermuten rein finanzielle Gründe dahinter. Fakt ist, dass beide gerade viel Geld ausgeben und es recht eilig mit ihrem Börsengang zu haben scheinen, zuletzt Anthropic zu einer Valuierung von ca. 2 Billionen Dollar.

    Frankreichs Social-Media-Verbot wurde gestoppt
    Letzten Freitag wurde das entsprechende Gesetz vom Verfassungsrat abgelehnt. Es soll nun überarbeitet und möglicherweise im Frühjahr nächsten Jahres in Kraft treten. Eine Analyse der Entscheidung und der Optionen, die nun der Regierung verbleiben, könnte auch die Debatte in Deutschland beeinflussen. 

    Polizeigesetz von Schleswig-Holstein: „Wie aus 1984“
    Zu diesem Urteil kommt die Analyse einer Bürgerrechtsgruppe. Dennoch wurde das Gesetz in erster Lesung vom Landtag beschlossen und ist nachträglich noch einmal verschärft worden. Betrachtet man solche Gesetze und die Geheimdienstreform in Kombination, ergibt das einen Überwachungsstaat wie den, in welchen Argentinien sich gerade entwickelt. 

    Findet gerade eine Büchervernichtung der KI zuliebe statt?
    Schon länger steht der Vorwurf im Raum, dass OpenAI und Anthropic ihre KI auch mit seltenen Büchern trainieren, die sie hinterher vernichten. Nun scheint es dem US-Magazin 404 Media gelungen zu sein, erste Beweise dafür zu erbringen. 

    Berliner Verwaltung wird Opfer eines Hackerangriffs
    Bei einem Cyberangriff auf mehrere Landesbehörden scheinen keine sensiblen Daten abgeflossen zu sein, doch die Behörden haben die Folgen noch nicht überstanden. Nun scheinen Tausende Wohngeldzahlungen in Gefahr zu sein. 

    Tech

    Anthropic befürchtet Revierkämpfe zwischen KI-Assistenten
    Das KI-Unternehmen hat untersucht, was passiert, wenn Schwärme von autonomen KI-Agenten aufeinandertreffen. Es stellte sich heraus, dass die Agenten sich gegenseitig behindern, zunehmend aggressiver werden und sich gegenseitig mit Schadsoftware sabotieren.

    Breite Ablehnung für Smart Glasses und KI-Entkleidungs-Apps
    Nach einer Umfrage des Bitkom lehnen 84 Prozent der Befragten KI-Anwendungen ab, die aus normalen Fotos mit wenigen Klicks sexualisierte Bilder erzeugen können. Einer anderen Umfrage zufolge würden 62 Prozent der Befragten Menschen mit Smart Glasses nicht ins eigene Zuhause lassen, 43 Prozent hätten aber nichts dagegen, selbst welche zu tragen. 

    Ein ehrlicher Blick auf KI-Agenten – von einem gestandenen Techniker
    KI-Agenten gelten derzeit als Antwort auf nahezu jede betriebliche Herausforderung. Viele sehen die Systeme als Nachfolger bestehender Automatisierungstechnologien. Das suggeriert einen Wettbewerb, der in Wirklichkeit gar nicht existiert.

    Digitale Arbeit

    Design und Produktentwicklung: Die Grenzen werden durchlässiger
    KI beschleunigt die Arbeit von Design- und Entwickler-Teams und liefert ihnen mehr Optionen, ihre Produkte zu gestalten. Doch sie macht auch eine Neudefinition ihrer Zusammenarbeit nötig.

    Wie würden Sie über einen digitalen Zwilling von sich selbst denken?
    Die Industrie kann mit dem Konzept des digitalen Zwillings von Arbeitenden sehr viel anfangen, einzelne Anbieter versuchen, entsprechende Produkte zu vermarkten, und Fraunhofer forscht nun am Konzept des Mindset Twins. 

    Zu guter Letzt …

    Apple wird jetzt Tracking-freundlicher
    Apple hatte vor fünf Jahren das Tracking über mehrere Apps hinweg für externe Anbieter erschwert. Nun wird der Konzern vom Bundeskartellamt dazu gezwungen, diese Regelung zu lockern, um Drittanbieter nicht zu benachteiligen. Die Konsequenz: Das Wort „Tracking“ wird in der entsprechenden Einstellungsseite nicht mehr erwähnt und App-Betreibern dürfen Nutzer nach einem Jahr wieder um ihre Erlaubnis fragen, deren Aktivität bei anderen Anwendungen und Websites zu tracken. Sollten Sie bisher geglaubt haben, dass das Kartellamt im Interesse der Verbraucher handelt, so stimmt das nicht ganz. Vielleicht indirekt, aber seine eigentliche Aufgabe besteht darin, für einen fairen Wettbewerb im Markt zu sorgen. Und in dieser Eigenschaft sind die Wettbewerbshüter offenbar durchaus bereit, auch manipulative Benutzeroberflächen zu tolerieren.