Digitale Agenda Die Nachrichten der Woche aus der digitalen Welt, jeden Freitag Nachmittag.

  • Digitale Agenda KW 14-15 | 2026

    Diese Woche

    USA wollen bei EU-Kartellverfahren mitreden
    Die EU-Kommission hat ein neues Gremium gegründet, das die Umsetzung von EU-Digitalgesetzen wie dem Digital Services Act mit der US-Regierung abstimmen soll. Im Gegenzug wollen die USA der EU bei Einfuhrzöllen entgegenkommen. Der Einfluss der US-Regierung macht sich bereits seit einiger Zeit durch eine drohende Verwässerung des KI-Gesetzes der EU bemerkbar.

    Social-Media-Verbot in Deutschland kaum durchsetzbar
    Während immer mehr EU-Länder die Einführung von Social-Media-Verboten beschließen (zuletzt Spanien, Österreich, Frankreich und Griechenland), findet ein neues Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags eine ähnliche Maßnahme in Deutschland als schwer durchsetzbar, weil sie gegen die Verfassung verstoßen würde.

    Digitalministerium stellt Gesetzentwurf für digitale Brieftasche vor
    Das Gesetz soll die „Europäische Brieftasche für die Digitale Identität“ (EUDI Wallet) der EU implementieren und regelt Zuständigkeiten, technische Umsetzung und laufenden Betrieb. Eine „Experimentierklausel“ erlaubt dem Digitalministerium neue Verfahren zu erproben, mit denen auch Jugendliche ab 12 Jahren die EUDI Wallet nutzen können, um sich auszuweisen.

    OpenAI erreicht irrwitzige Valuierung
    Der Betreiber von ChatGPT hat sich eine Finanzierungsrunde von 122 Milliarden Dollar zu einer Unternehmensbewertung von 852 Milliarden gesichert. Der aktuelle Jahresumsatz von OpenAI wird auf 10 bis 20 Milliarden geschätzt, die Verluste belaufen sich auf 12 Milliarden pro Quartal. Zugleich sind keine entscheidenden Wettbewerbsvorteile gegenüber Google und Anthropic auszumachen. 

    Perplexity gab vertrauliche Chats an Google und Meta weiter
    Der KI-Suchmaschine wird in einer Sammelklage vorgeworfen, über Jahre hinweg Millionen Chat-Verläufe an Google und Meta weitergegeben zu haben, egal ob die Nutzer eingeloggt, nicht eingeloggt oder im Inkognito-Modus waren.

    Tech

    Anthropics ‚Mythos‘ revolutioniert Schwachstellensuche
    Laut einer Mitteilung des Unternehmens soll das KI-Modell, das speziell für die Fehlersuche in  Software optimiert wurde, so gut sein, dass es Anthropic vorerst nicht veröffentlicht. Stattdessen wurde es Tech-Schwergewichten wie Microsoft, Apple, Google, Amazon und anderen zur Verfügung gestellt, um ihre eigene Software zu überprüfen. BSI-Chefin Plattner sieht durch Tools wie Mythos auch Fragen der nationalen Sicherheit in Deutschland berührt.

    Open-Source ist dank KI im Aufwind
    Die Beiträge von quelloffenem Code haben sich in den letzten Jahren deutlich erhöht, während sich der Schwerpunkt auf zukunftsweisende Technologien verlagert, darunter Kubernetes, Observability, Platform Engineering und KI in der Produktion. 

    Qualitätssicherung von KI-generiertem Code wird vernachlässigt
    Unternehmen investieren viel Geld in KI-Tools für die Software-Entwicklung, doch das schafft ein Ungleichgewicht im Verhältnis zur Qualitätssicherung des Codes. Die gesteigerte Code-Produktion erzeugt eine unüberschaubare Menge an Änderungen, die potenziell Risiken bergen.

    Digitale Arbeit

    Wenn KI-Agenten wirklich autonom werden …
    Während der Einsatz von KI-Agenten am Arbeitsplatz steigt, warnen Experten Unternehmen vor Agenten in ihrer Eigenschaft als „überprivilegierte Insider“, die große Schäden anrichten können. Zwei neue Studien (Zusammenfassungen hier und hier) konkretisieren die Gefahren.

    Euro-Office als souveräne MS-Office-Alternative
    Eine Allianz aus mehr als einem Dutzend führender europäischer Organisationen entwickelt Euro-Office als Open-Source-Alternative zu Microsoft Office. Technische Basis ist das quelloffene OnlyOffice aus Lettland, das besonderen Wert auf Kompatibilität zu Microsoft-Formaten legt.

    Zu guter Letzt ...

    Microsoft Copilot „dient ausschließlich Unterhaltungszwecken“
    So steht es wörtlich in den Nutzungsbedingungen zu Microsoft Copilot für Privatpersonen seit Oktober 2025, doch erst neulich ist die Formulierung auch Fachmedien aufgefallen. Ob Microsoft damit seinen KI-Assistenten auf das Niveau von Karl Klammer degradiert, dürfte zweitrangig sein. Hauptsache, das Unternehmen wird nicht verklagt, weil Copilot irgendwas herbeihalluziniert hat. 

  • Digitale Agenda KW 13 | 2026

    Diese Woche

    EU und Bundesregierung arbeiten an Gesetzen gegen Deepfakes
    Das EU-Parlament hat für ein Verbot von KI-Anwendungen und Diensten gestimmt, die sexualisierte Bilder und Videos produzieren. Auch das deutsche Justizministerium arbeitet an einem Gesetz gegen digitale Gewalt, die Justizministerin lehnt jedoch eine Klarnamenpflicht im Internet ab. 

    Meta und Google verlieren Verfahren um Social-Media-Sucht
    Facebook, Instagram und YouTube seien bewusst so gestaltet worden, dass sie Nutzer süchtig machen, urteilten die Gerichte in zwei Verfahren in Kalifornien und New Mexico. Beide Konzerne müssen der Klägerin Entschädigung zahlen, Meta ist außerdem mit einer Geldstrafe belegt worden. 

    Experten warnen vor KI-Nutzung bei Jugendlichen
    Einer DAK-Studie zufolge entwickeln viele Kindern emotionale Bindungen zu KI-Chatbots, etwa ein Drittel fühlt sich von der KI „besser verstanden“. Und laut einer Umfrage des Bitkom empfindet jeder vierte der befragten Erwachsenen die KI manchmal wie eine digitale Bezugsperson. 

    USA verbieten den Verkauf importierter WLAN-Router
    Aus Gründen der nationalen Sicherheit sollen neue Router für Privatnutzer aus dem Ausland ab sofort keine Zulassung mehr bekommen. Die neue Regelung sieht vor, dass künftig die gesamte Herstellungskette, vom Design über die Chips bis hin zur Software, aus den USA stammen muss. 

    Private Biometriedaten sollen zur Handelsware werden
    Laut Bundesregierung sollen künftig staatlich erhobene Biometriedaten von Flugpassagieren an Fluglinien weitergegeben werden, angeblich um die Wartezeit an den Kontrollen zu verkürzen. Der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber hatte bereits 2024 gewarnt, dass eine Weitergabe dem eigentlichen Verwendungszweck widersprechen würde.

    Tech

    Google präsentiert sich als Technologie-Powerhouse
    Zu den technologischen Neuerungen, mit denen Google diese Woche von sich reden machte, gehören eine Komprimierung der LLM-Cache auf 3 Bit ohne Genauigkeitsverlust, die Absicherung von Android-Smartphones gegen Quantencomputer und das KI-gestützte Design von Benutzeroberflächen mithilfe von Stitch.

    OpenAI präsentiert sich als Rakete mit defekter Steuerung
    Alle paar Monate eine neue Produktstrategie: Die Pläne, ChatGPT zu einer Anwendungsplattform auszubauen, wurden ebenso verworfen wie der Plan, mit Werbung Geld zu verdienen. Nun wird der Bildgenerator Sora eingestellt und in ChatGPT integriert, während OpenAI sich laut Wall Street Journal künftig auf Unternehmensproduktivität, APIs und Software-Entwicklung konzentrieren will. Derweil wandert die Nutzerbasis zu Anthropic ab und Google macht den Umstieg zu Gemini attraktiver. 

    Elon Musk träumt vom Einstieg ins Halbleitergeschäft
    Mit „Terafab“ kündigte Musk die größte voll integrierte Chipfabrik der Welt in Texas an. In 2-Nanometer-Technologie sollen dort KI-Beschleuniger für Training und Inferencing hergestellt werden, aber auch Speicherchips und Solarzellen. Die Dimensionen dies Projekts sind dermaßen groß, dass die Terafab leicht ein Tera-Fail mit Ansage werden könnte. 

    Digitale Arbeit

    Meta testet Neuorganisation seiner Entwicklerteams
    Im Rahmen eines Pilotprojekts versucht es Meta mit kleineren, aber funktionsübergreifenden Teams und flacheren Strukturen. Die Leistungsbewertungen und Beförderungen sollen dabei von KI-Systemen unterstützt werden.

    Warum viele ’sinnlose Meetings‘ nicht so sinnlos sind
    Wer aus Meetings immer konkrete Entscheidungen, Maßnahmen oder zumindest Einsichten erwartet, betrachtet sie häufig als völlig sinnlos. Doch Meetings dienen meistens anderen Zwecken, die alles andere als sinnlos sind. 

    Zu guter Letzt ...

    Ausgerechnet ‚KI-Verlierer‘ Apple verdient mit KI richtig Geld
    Apple wird am Mittwoch nächster Woche 50 Jahre alt und zum Jubiläum gibt es die Tatsache zu feiern, dass der Konzern 2025 etwa 900 Millionen Dollar mit KI umgesetzt hat, nämlich aus dem Verkauf von KI-Apps im App Store. Damit wäre die jährliche Lizenzgebühr von einer Milliarde Dollar für Googles Gemini fast schon eingespielt. Apple Mitgründer Steve Wozniak ist übrigens von ChatGPT & Co. nicht sonderlich beeindruckt. Deren Erschaffer hätten die Funktionsweise des menschlichen Gehirns nicht besonders gut verstanden.

  • Digitale Agenda KW 12 | 2026

    Diese Woche

    EU verschiebt Einführung strengerer KI-Regeln
    Die EU-Mitgliedsstaaten haben vereinbart, die strengen Regeln für besonders risikoreiche KI-Systeme erst im Dezember 2027 in Kraft treten zu lassen. Industrieverbände hatten zuvor die Umsetzungszeit für die neuen Vorgaben als viel zu knapp beanstandet.

    Bundeskriminalamt soll Lizenz zum Hacken bekommen
    Einem Gesetzentwurf des Innenministeriums zufolge soll das Bundeskriminalamt künftig bei großen Gefahren für die IT-Sicherheit unter anderem Datenverkehr umleiten oder blockieren dürfen sowie Daten auf einem IT-System „erheben, löschen oder verändern“ können.

    Bundesregierung will den Bau von Rechenzentren erleichtern
    Das neue Strategiepapier des Digitalministeriums nimmt sich als Ziel, Deutschland zu einem führenden Standort für KI-Entwicklung und KI-Anwendungen zu machen. Mitunter sollen die Genehmigungsverfahren beschleunigt und den Kommunen die anfallende Gewerbesteuer zugestanden werden.

    Jugendschutz und Social-Media-Verbote
    Während die EU-Kommission an einem Gesetz arbeitet, mit dem süchtig machende Designs bekämpft werden sollen, kritisieren mehrere Elternverbände die bisherigen Konzepte für Social-Media-Verbote und sehen die persönlichen Daten der Kinder in Gefahr. 

    Die Bundesdatenschutzbeauftragte tritt zurück
    Louisa Specht-Riemenschneider gibt ihr Amt nach nur anderthalb Jahren aus gesundheitlichen Gründen zurück und will nur so lange weitermachen, bis ein Nachfolger gefunden ist. Zuletzt hatte sie ein Verfahren gegen den Bundesnachrichtendienst verloren. 

    Tech

    Neue Cybergefahren: KI-Browser-Plugins und Aufzüge
    Microsoft warnt vor bösartigen, gefälschten KI-Assistenten-Erweiterungen, die über Browser-Marktplätze verbreitet werden und Nutzerdaten abgreifen. Und der TÜV weist darauf hin, dass viele Aufzüge nicht gegen Cybergefahren gesichert sind. 

    Glasspeicher sichert Daten für 10.000 Jahre
    Im Rahmen seines Silica-Projekts ist es Microsoft gelungen, auf einer 12cm großen Glasscheibe 4,84 TByte an Daten zu speichern. Zugleich hat Microsoft das Speicherverfahren vereinfacht die Datenträger können nun aus kostengünstigerem Glas hergestellt werden.

    Claude bekommt interaktive Diagramme und Visualisierungen
    Die Grafiken ergänzen Antworten zu komplexen Fragen und werden nun nicht mehr gesondert als Artefakte angezeigt, sondern direkt im Chat-Fenster. Die angezeigten Diagramme sind im Gegensatz zu den Artefakten jedoch flüchtig, sie können sich also im Chat verändern oder ganz verschwinden. 

    Digitale Arbeit

    KI-Nutzung am Arbeitsplatz kommt Unternehmen teuer
    Unternehmen haben damit begonnen, den Verbrauch der von ihrer Belegschaft verwendeten Token zu tracken, um die Kontrolle über die anfallenden Kosten zu behalten. Zugleich sind die vielfach versprochenen Produktivitätsgewinne für die meisten kaum feststellbar. 

    KI macht Führungskräfte denkfaul
    Der KI-Newsletter der Bertelsmann-Stiftung weist auf eine Studie von Confluent hin, nach der immer mehr Top-Führungskräfte dazu geneigt sind, dem Rat ihres KI-Chatbots zu folgen und die eigene Urteilskraft in Frage zu stellen. Dieses Auslagern des Denkens an die KI veranlasst jedoch auf Dauer das Gehirn, den Denkbetrieb einzustellen. 

    Zu guter Letzt ...

    Ruhe sanft, „Metaverse“
    Just zu der Zeit, als das Fraunhofer IAO seine Metaverse-Themenwochen feiert, beschließt Meta, seiner verlustreichen Metaverse-Sparte den Stecker zu ziehen und das gesparte Geld in die KI-Entwicklung zu stecken. Fairerweise muss man hinzufügen, dass das Fraunhofer IAO eher industrielle XR-Anwendungen im Sinn hat als die „sozialen“ von Facebook, doch der Begriff „Metaverse“ dürfte damit Geschichte sein.