Digitale Agenda Die Nachrichten der Woche aus der digitalen Welt, jeden Freitag Nachmittag.

  • Digitale Agenda KW 22 | 2026

    Diese Woche

    EU will Abhängigkeit bei Halbleitern und Satellitendiensten reduzieren
    EU-Digitalkommissarin Virkkunen will nächste Woche den Entwurf für einen zweiten Chips Act vorstellen, um die europäische Halbleiterproduktion zu stärken, da in den letzten Jahren einige geplante Großprojekte wie die Intel-Fab scheiterten. Außerdem will die EU-Kommission  weniger Lizenzen für sicherheitsrelevante Frequenzen an ausländische Satellitendienste vergeben, um die Abhängigkeit von den USA bei Mobilfunkdiensten zu reduzieren. 

    Der Papst will die Menschenwürde im KI-Zeitalter retten
    Der Untertitel der ersten Enzyklika von Papst Leo verrät bereits, worum es ihm geht, nämlich um „die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“. Er hat in dieser Mission nicht nur prominente Mitstreiter aus dem Silicon Valley, sondern auch große Teile der jungen Generation Z, die KI kritisch gegenüber stehen. Jüngst wurden KI-Optimisten wie Ex-Google-Chef Eric Schmidt von Uni-Absolventen ausgebuht, während kritische Stimmen wie Apple-Mitgründer Steve Wozniak bejubelt werden. 

    EU bestraft Temu wegen des Verkaufs gefährlicher Produkte
    Die chinesische Handelsplattform muss eine Geldbuße in Höhe von 200 Millionen Euro bezahlen, weil sie unsicheres Kinderspielzeug, überhitzende Ladegeräte und Produkte mit giftigen Chemikalien verkauft hat.  

    Polymarket-Wetten gewinnen kriminelle Züge
    Im März erhielt ein israelischer Journalist Morddrohungen im Versuch, seine Berichterstattung zu ändern, nun wurde ein Google-Entwickler angeklagt, weil er mit Insder-Informationen auf Polymarket 1,2 Millionen Dollar verdient haben soll. Derweil stehen Dienste wie Polymarket unter dem Schutz der Regierung Trump, während seine Familie kräftig daran verdient. 

    DeepSeek startet KI-Preiskrieg
    Der chinesische KI-Anbieter senkt die Preise für sein bestes Modell dauerhaft um 75 Prozent, weil er nach eigenen Angaben die Effizienz seiner Modelle um dieselbe Prozentzahl erhöhen konnte. Die Preissenkung ist vor allem für Unternehmen interessant, die das DeepSeek-Modell selbst hosten wollen. 

    Tech

    Anthropic nennt Zeitrahmen für Freigabe von ‚Mythos‘
    Modelle der Mythos-Klasse sollen „in den nächsten Wochen für alle Kunden verfügbar“ werden, da die Entwicklung der nötigen Schutzmaßnahmen Fortschritte mache, kündigte das Unternehmen an. Zugleich stellte es mit Claude Opus 4.8 sein neues Flaggschiffmodell an, das viermal weniger unbemerkte Fehler mache. 

    Google stellt Technologie zur Erkennung von Deepfakes vor
    Die Funktion „Ähnlichkeitserkennung“ soll zunächst YouTube-Nutzern zur Verfügung stehen, die herausfinden wollen, ob und wo auf der Plattform Deepfakes von ihnen kursieren. Dazu müssen sie ein Ausweisfoto oder ein Videoselfie von sich hochladen. Google verspricht, diese Aufnahmen nicht für das Training seiner KI zu verwenden.

    Apple verstärkt iPhone-Diebstahlschutz und erschwert Ortung
    Um zu erkennen, ob ein entsperrtes Handy jemandem aus der Hand gerissen wurde, analysiert das Betriebssystem eine Kombination aus verschiedenen Indikatoren wie Bewegungssensor, WLAN oder in der Nähe befindliche Bluetooth-Geräte. Apple-Geräte mit den neuen C1- und C1X-Modems können die Funktion „Genauen Standort beschränken“ nutzen, um den Datenabfluss an den Mobilfunkbetreiber einzuschränken.

    Digitale Arbeit

    Das sind die von der KI am meisten bedrohten IT-Jobs
    KI-Agenten übernehmen zunehmend klar beschreibbare und überprüfbare Tasks wie Coding, Reviews, Deployment oder Pull-Request-Zyklen. Doch auch anspruchsvollere Tätigkeiten in der IT sind im Visier der KI, wie eine neue Studie verrät. 

    Tokenmaxxing – eine Vorgabe, die einfach nur dumm ist
    Neuerdings misst Meta die Produktivität ihrer Entwickler über ihren jeweiligen Verbrauch an Tokens der Programmier-KI Claude Code. Warum das eine idiotische Idee ist, erklärt ein altgedienter Entwickler. 

    Zu guter Letzt …

    Warum Chefs auf den KI-Hype reinfallen
    … erklärt einer, der es wissen müsste: Aaron Levie ist selbst Gründer und Chef des Technologieunternehmens Box, dessen Plattform auch KI-Features bietet. Seiner Ansicht nach sehen Chefs häufig nur die tollen Ergebnisse, berücksichtigen aber nicht all die Schritte, die notwendig sind, um auch nachhaltige Ergebnisse zu erzielen. Stattdessen sollten sie lieber KI selbst intensiv nutzen, um ein Gefühl sowohl für die Vorteile als auch für den dafür nötigen Aufwand zu bekommen, schrieb er auf Twitter.

  • Digitale Agenda KW 21 | 2026

    Diese Woche

    Telekom und SAP sollen öffentliche KI-Infrastruktur aufbauen
    Das Konsortium rund um Google zog seine Beschwerde zurück und das Digitalministerium konnte seinen Auftrag in Höhe von 250 Millionen Euro an das Konsortium vergeben, das bis dahin als Favorit galt. Die KI-Cloud soll „das Rückgrat einer souveränen, digitalen und KI-fähigen Verwaltung in Deutschland“ werden.

    Digitalministerkonferenz nimmt Kurs auf ‚digital only‘
    Nicht ob, sondern bis wann Verwaltungsbehörden nur noch rein digitale Prozesse anbieten und papiergebundene abschaffen, ist die Frage, mit der sich Bundesdigitalminister Wildberger und seine Kollegen aus den Ländern beschäftigen. Auf dem Weg dorthin müsse auch der Datenschutz KI-gerecht reformiert werden. 

    Betreiber von Website-Chatbots haften für Falschinformationen
    Das Oberlandesgericht Hamm bezieht sich auf den Chatbot einer Schönheitsklinik, der eine Reihe von Facharzt-Bezeichnungen halluziniert hatte, etwa „Fachärzte für ästhetische Medizin“. Verbraucherschützer hatten die Klinik auf Unterlassung verklagt und nun gewonnen.

    Anthropic stellt operative Gewinne in Aussicht
    Das KI-Unternehmen scheint OpenAI hinter sich gelassen zu haben und erwartet nach Informationen des Wall Street Journal im zweiten Quartal einen Umsatz von 10,9 Milliarden Dollar und einen operativen Gewinn von 559 Millionen. Unterdessen informierte Anthropic die Bankenaufsicht über neue Risiken in Zusammenhang mit seiner Software. 

    Hacker erbeuten 100.000 Patientendatensätze
    Bereits Mitte April fand ein Cyberangriff auf den externen Dienstleister zahlreicher deutscher Kliniken statt, bei dem Zehntausende Patientendaten abgegriffen wurden. Betroffen sind mitunter die Unikliniken von Köln, Freiburg, Ulm, Heidelberg und Tübingen.

    Tech

    Frankreichs Verwaltung nimmt Kurs auf Open Source
    Die für Digitalisierung zuständige Behörde gab bekannt, dass Windows-Systeme durch Linux ersetzt werden. Mittelfristig soll die Abhängigkeit von Software nichteuropäischer Anbieter drastisch gesenkt werden. Eine Studie der Zürcher Stadtverwaltung kam derweil zum Schluss, dass OpenDesk derzeit noch keine vollwertige Alternative zu Microsoft 365 sein kann.

    Selbstkopierende KI: Nicht so gefährlich wie vermutet?
    In einem Experiment konnten KI-Modelle von Anthropic Schwachstellen an einem Rechner identifizieren und diese nutzen, um sich selbst darauf zu kopieren. Sicherheitsforscher geben aber zu bedenken, dass Testergebnisse in kontrollierten Umgebungen oft dramatischer ausfielen als in der Realität möglich.

    Was taugt die neue Version von Amazons Alexa?
    Ein Redakteur der ZEIT und Nutzer der bisherigen Version hat Alexa+ getestet und findet, dass die KI-gestützte Version viel besser ist. Doch sein Fazit über die Fähigkeiten von Alexa+ würde der bayerische Kabarettist Gerhard Polt etwa so ausdrücken: „Braucht’s des?“ 

    Digitale Arbeit

    Die Nutzung von Schatten-KI wächst, trotz Governance
    Unternehmen versuchen, die Nutzung unerlaubter KI-Dienste meist durch mehr Regeln, mehr Kontrolle und mehr Restriktionen zu unterbinden. Das ist nicht besonders wirksam solange den Mitarbeitern die Gründe nicht im Detail erklärt werden. Es ist ein neues Narrativ nötig.

    KI-Halluzinationen bauen ein fiktives Paralleluniversum auf
    Das Vertrauen in den Output von KI-Chatbots verleitet auch namhafte Beraterfirmen wie EY (Ernst&Young) dazu, ihre Berichte mit fiktiven Quellen zu füllen. Der Bericht wurde von EY inzwischen zurückgezogen, doch die Forensiker von GPTzero weisen darauf hin, dass die falschen Fakten des Berichts längst von Medien zitiert wurden und weiterhin in Umlauf sind.

    Zu guter Letzt …

    Elon Musks Klage gegen OpenAI endet mit einem Nicht-Urteil
    Der Tesla-Gründer wollte Schadenersatz und eine Rückführung von OpenAI in die Gemeinnützigkeit erreichen, doch es gab kein Urteil zur Sache. Stattdessen wurde die Klage wegen eines Verfahrensfehlers abgewiesen – die Klageschrift wurde nicht fristgerecht eingereicht. Die Investoren von OpenAI können endlich aufatmen.  

  • Digitale Agenda KW 20 | 2026

    Diese Woche

    EU-Kommission will Ausweispflicht für Social Media durchsetzen
    Kommissionschefin Ursula von der Leyen ist davon überzeugt, dass ein Social-Media-Verbot für Minderjährige, das über Alterskontrollen durchgesetzt wird, unbedingt nötig ist. Der wissenschaftliche Dienst des EU-Parlaments kam unterdessen zum Schluss, dass ein Social-Media-Verbot nur durch eine Abschaffung der Anonymität durchsetzbar ist. 

    TikTok und Meta wegen ’süchtig machender Designpraktiken‘ am Pranger
    Die EU-Kommission will gegen die Betreiber von TikTok, Instagram und Facebook vorgehen, weil deren Geschäftsmodelle die Aufmerksamkeit der Kinder als Ware behandelt, um Geld zu verdienen. 

    Kaum Besserung bei der Glasfaserversorgung in Deutschland
    Laut dem Telekommunikationsverband VATM gehört Deutschlands Mobilfunknetz mittlerweile zu den besten in Europa, doch beim Festnetz dominieren nach wie vor die auf Kupferleitungen basierenden DSL-Anschlüsse – und das wird wohl in absehbarer Zeit so bleiben.  

    Petition will Digitalzwang verhindern
    Das Recht auf analoges Leben soll nach dem Wunsch der Initiatoren einer Petition des Vereins Digitalcourage im Grundgesetz verankert werden, weil der ausufernde Digitalzwang der Demokratie schade.  

    Erneute Kooperation zwischen Apple und Intel
    Gerüchte darüber hatten vergangene Woche Intels Aktienkurs um 10 Prozent aufgewertet, nun verdichten sich die Hinweise, dass da was dran ist. Demnach will Apple Intel als Alternative zu TSMC aufbauen, um die Verfügbarkeit seiner Prozessorchips zu sichern. Medienberichten zufolge ist bereits die Produktion von Kleinserien testweise angelaufen.

    Tech

    Erfolg von Apples Neo motiviert Google zu neuer Notebook-Serie
    Die neuen Googlebooks sollen mit einem Betriebssystem laufen, das aus einer Verschmelzung von Android mit Chrome OS hervorgehen soll. Außerdem stellte Google eine neue AndroidVersion vor, die eine engere Integration von Instagram vorsieht und bessere Sicherheit verspricht. 

    Agenten-Autonomie und ihr Preis
    Während SAP diese Woche ihr Autonomous Enterprise vorstellte, in dem KI-Agenten die bisherige Arbeit von Sachbearbeitern übernehmen, machen Meldungen über Fehlleistungen von KI-Agenten die Runde. Zum Beispiel vom KI-Agenten einer Software-Firma, der die gesamte Produktionsdatenbank und alle aktuellen Backups löschte. Oder von KI-Agenten, die ein Café oder einen Radiosender leiten sollten. Dennoch würden drei von zehn Arbeitenden laut einer Umfrage des Bitkom den Job ihres Vorgesetzten lieber an eine KI übertragen. 

    Signal will besser gegen Phishing vorsorgen
    Nachdem einige Bundestagsabgeordnete Phishing-Angriffen zum Opfer fielen, hat die Betreiberfirma des Messengers Signal Änderungen angekündigt. Zunächst soll das Annehmen neuer, unbekannter Kontakte nicht mehr mit einem einzigen Klick möglich sein. 

    Digitale Arbeit

    KI soll Arbeitende in der Fertigung entlasten
    KI-Agenten sollen Menschen in der Produktion ergänzen, aber nicht ersetzen. Agentenbasierte KI soll dabei autonome digitale Mitarbeiter schaffen, die ihre Umgebung wahrnehmen, analysieren und – unter Aufsicht der Arbeitenden – eigenständig Maßnahmen ergreifen.

    KI-bedingte Entlassungswelle rollt weiter
    Die Technologiebranche spielt weiterhin die Vorreiterrolle bei diesem Trend. Diesmal will Cisco fünf Prozent seiner Belegschaft (ca. 4.000 Stellen) abbauen, während Amazon seinen Personalabbau nun auf weitere Abteilungen ausgedehnt hat. In Deutschland will die Commerzbank 3.000 Jobs durch KI ersetzen und das Digitalministerium plant den Einsatz von KI-Agenten in der Verwaltung.

    Zu guter Letzt …

    Donald Trump setzt sich ein Denkmal mit eigenem Smartphone
    Während US-Bürger unter den steigenden Lebenshaltungskosten ächzen und der Benzinpreis sich wegen des Iran-Kriegs in den letzten fünf Monaten fast verdoppelt hat, kommt nach langem Warten endlich das goldfarbene Trump Phone auf dem Markt. Vielleicht sorgt es für etwas mehr Optimismus bei den 70 Prozent der US-Bürger, die für nächstes Jahr eine Rezession erwarten.